Keine Woche ohne Ankündigung von spektakulären Flughafen-News. Gegenwärtig überbieten sich die Airports mit positiven Nachrichten und attraktiven Zukunftsszenarien. Wachstumsschritte, Gewinnsteigerungen und Übernahmen, soweit das Auge reicht, doch der Schein trügt.
Das deutsche Konsortium um Hochtief erwirbt für 2 Mia. Dollar den Airport in Budapest. Fraport vermeldet das
beste Halbjahresergebnis und kauft sich als Belohnung gleich die Aktienmehrheit in Lima. Die chinesische Regierung gibt grünes Licht für den Bau von 57 neuen Airports. Dubais Aerospace Enterprise erwirbt für mehrere Mia. Dollar den Auckland Airport in Neuseeland. Amsterdam-Schiphol möchte an die Börse. Und selbst der altehrwürdige JFK Airport schreitet voran mit der Privatisierung des Terminal 4, um einem Finanzkonsortium die Türen zu öffnen. Sogar vom stark regulierten japanischen Markt vernimmt man, dass grössere Aktienpakete der Flughäfen Tokyo-Narita und Osaka-Kansai an Private-Equity-Firmen veräussert werden sollen. Kein Wunder also, wenn auch die UBS ein neues Investitionszertifikat auflegt, welches zehn internationale Flughafenbetreiber umfasst. Das gegenwärtig positive Umfeld bei den Passagierzahlen und Frachtmengen animiert und weckt Begehrlichkeiten.
Vor allem auch an den Finanzmärkten und bei renditehungrigen Investoren, welche grössere Optimierungs- und Gewinnaussichten identifizieren. Kürzlich gaben in einer internationalen Umfrage 40% der befragten Flughäfen ein Umsatzwachstum (Januar-Juni 07) von über 6% zu Protokoll. Das stimuliert. Und auch im Duty-free-Geschäft läuft es wieder rund. Böse Zungen behaupten sogar, dass sich viele Airports an den langen Wartezeiten für die Security-Checks erfreuen, denn dies bedeutet für den Reisenden ein früheres Erscheinen am Airport und schlussendlich mehr Zeit zum Shopping.
Dabei besteht Handlungsbedarf an allen Ecken und Enden. Infrastrukturelle Anpassungen bezüglich Qualität und Kapazität sind nötig, die Prozesse bei den Security-Kontrollen bleiben unerfreulich, das Screening im Cargobereich harrt einer Lösung, bei der ATC und im Delay-Management fehlen wichtige Impulse, die Deregulierung und Liberalisierung gewisser Märkte kommt nur schleppend voran, die Konzessions- und Lizenzpolitik für Flughafenpartner ist nicht transparent genug, Emissionsreduktionsbemühungen sind noch unbefriedigend und schliesslich fehlen clevere Pricing-Konzepte für das immer noch stark wachsende Low-Cost-Geschäft. Anspruchsvolle Herausforderungen also hüben und drüben für die momentan etwas verwöhnten «Geldmaschinen» der Aviatik. Die Airports wären gut beraten bei so viel Geldfluss, Zuversicht und Spekulation, die Nachhaltigkeit zu beachten und ihre «Hausaufgaben» anzupacken. Jetzt!



