Geraume Zeit hat Ägypten alles gegeben, um den Tourismus nach der Revolution wieder anzukurbeln. Der lang ersehnte Wunsch scheint endlich eingetreten zu sein. Für den Erfolg mitverantwortlich waren nicht zuletzt grosse Werbe- und Onlinekampagnen. Tatsache ist, knapp 70% der Gäste stammen aus den sechs grössten europäischen Märkten, also Frankreich, Italien, Grossbritannien, Polen, Deutschland und Russland.
Die Schweiz fällt zwar nicht in diese Kategorie, ist aber für Ägypten dennoch ein durchaus wichtiger Markt. Denn die Schweizer gelten in den Ferien bekanntlich als ausgabefreudig. Mit viel Sonnenschein, Sand und Strand ist es bei Herrn und Frau Schweizer aber noch nicht getan. Was von ihnen im Gegenzug besonders geschätzt und erwartet wird, ist ein guter Service, eine gepflegte Umgebung sowie eine funktionierende Infrastruktur.
Daher besteht für Ägypten derzeit eine der grössten Herausforderungen in der Erhaltung oder gar der Verbesserung der Qualität. Potenzial ist durchaus vorhanden, jedoch müssen die Ressourcen an den richtigen Stellen eingesetzt werden. Der Fam-Trip letzte Woche gewährte einen Einblick in die aktuelle Situation vor Ort. Ersichtlich war, dass einige Hotelanlagen die Zeit während der Krise wirkungsvoller genutzt haben als andere.
El Gouna, das Vorzeigeobjekt von Orascom Development, punktet als umweltfreundlichste Feriendestination Ägyptens. Vom ästhetischen Aspekt her überzeugten aber überraschenderweise entgegen den Erwartungen nicht die renommierten Hotelketten in der Lagunenstadt. Hier scheint nämlich für so manches Fünf-Sterne-Haus dringend eine Verjüngungskur angebracht. Dieser Punkt geht klar an die Red Sea Hotels rund um Hurghada und Makadi Bay, wo die Ereignisse der letzten Jahre scheinbar keine offensichtlichen Spuren hinterlassen haben. Eines muss sich der Ägypten-Reisende gegenwärtig demnach bewusst sein: Wo fünf Sterne drauf stehen, sind nicht zwingend immer fünf Sterne drin.
Melanie Mooser



