Wie beurteilen Sie das Jahr 2015 generell für die Reisebüros? Die Umsätze liegen ja vielerorts im Minus.
Es ist ein schwieriges Jahr für die Reisebüros. Aufgrund der SNB-Entscheidung vom 15. Januar mussten die Preise reduziert werden (bei den TOs zu Lasten der Marge), um weiterhin gegenüber dem Ausland konkurrenzfähig zu bleiben. Während die Anzahl Kunden sich zufriedenstellend entwickelt hat, sind Umsatz- und Ertragszahlen stark rückläufig.
Letztes Jahr erwähnten Sie, dass die Bruttorendite in den Reisebüros seit Jahren stabil bei 14% gehalten werden kann. Wie sieht das heute aus?
Gemäss der letzten SRV-Umfrage ist die Bruttorendite auf 15% angestiegen, dies dank einem höheren Anteil von Beratungshonoraren. Diese werden für die Profitabilität der Reisebüros immer wichtiger und machen heute schon über einen Drittel der Bruttorendite aus. Viele Kunden sind also bereit, den Mehrwert, den das Reisebüro schafft, zu entschädigen. Dies zeigt auch den Weg in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft der Branche.
Wie lange wird der Frankenschock noch nachhallen? Sind die zunehmenden Garantiefonds-Fälle ein Zeichen, dass das dicke Ende erst noch kommen könnte?
Die Ausgangslage ist mit der Herbst-/Wintersaison wieder deutlich besser geworden. Nachdem der CHF/EUR-Wechselkurs sich für die Konsumenten klar auf über 1.10 erhöht hat, sind die Schweizer Veranstalter und Reisebüros überaus kompetitiv, sowohl gegenüber dem Ausland als auch den OTAs. Die Fälle des Garantiefonds wenn auch von grossem Ausmass sind Einzelfälle und nicht repräsentativ für die Situation der Reisebranche.
Die Kuoni Group glaubte nicht mehr ans Reisebürogeschäft, die SBB auch nicht. Wieso soll man weiterhin an den stationären Vertrieb glauben?
Dies sind individuelle Management-Entscheidungen, die sich noch als richtig erweisen müssen. Die vielen erfolgreich arbeitenden Reisebüros sind der Beweis, dass man durchaus an die Zukunft dieses Vertriebswegs glauben darf. Die Spreu teilt sich vom Weizen, sowohl bei den Kunden (Beratungskunden vs. Onlinekunden) als auch bei den Reisebüros (Erlebnisverkäufer vs. Produktvermittler).
Letztes Jahr haben Sie gesagt, man müsse einen Weg mit und nicht gegen die Airlines finden. Nun scheint das Tuch zerschnitten, der SRV hat auf nationaler und internationaler Ebene rechtliche Massnahmen eingeleitet. Sehen Sie noch Möglichkeiten für ein konstruktives Miteinander?
Dieser Meinung bin ich nach wie vor. Wir haben uns selbstverständlich an der Einführung der DCC durch die LH-Gruppe massiv gestört und werden diese mit allen rechtlichen Mitteln bekämpfen. Für mich ist dies aber ein Fall ganz nach dem Sprichwort: Man schlägt den Sack und meint den Esel. Eigentlich ist die LH-Gruppe unzufrieden mit den GDS, aber bestraft die Reisebüros. Generell bleiben die Airlines wichtige Partner für uns, und wir müssen mit ihnen eine konstruktive Kommunikation aufrechterhalten.
Mit welchen anderen Themen werden Sie derzeit am meisten konfrontiert?
Nebst DCC wurden die langfristigen Perspektiven, die preisliche Attraktivität gegenüber dem Ausland und den OTAs, die die strukturellen Veränderungen im Schweizer Markt und die exogenen Faktoren («Grexit», Tunesien, Flüchtlingsströme etc.) oft in Gesprächen aufgebracht.



