Der Chefwechsel bei Thomas Cook kam für alle überraschend offenbar auch für die Anleger, denn der Kurs der Cook-Aktie sank gleich nach der Ankündigung um 20% in den Keller und vermochte sich seither nicht mehr richtig zu erholen. Dabei ist ebendieser Kurs eigentlich ein Indiz für den Erfolg von Harriet Green. Als sie das CEO-Amt Ende Juli 2012 übernahm, stand der Kurs bei desaströsen GBP 0.14 und der Unternehmenswert bei GBP 148 Mio. Ein halbes Jahr zuvor wäre der Konzern fast Pleite gegangen.
Nach eineinhalbjährigem Wirken von Green hatte sich der Wert ver-18-facht und der Kurs auf GBP 1.90 erhöht. Die Jahresverluste reduzierten sich innert zwei Jahren um über 80%, die Verschuldung sank ebenfalls, und im letzten Geschäftsjahr stieg der operative Gewinn um 23%. Dies geschah natürlich nicht «gratis»: Green eliminierte während ihrer Amtszeit 2500 Stellen und 400 stationäre Reisebüros. Ihrer Reputation als Power Woman tat dies keinen Abbruch.
Den Aktien-Höchststand vom März 2014 konnten sie und das Unternehmen indes nicht halten; kurz vor Greens Abgang notierte die Aktie noch bei GBP 1.38. Auch die Ergebnisprognosen wurden vorsichtiger formuliert. Einige sagen, dass dies der Grund für ihren plötzlichen Abgang sein könnte; die Saniererin habe all ihre Ideen umgesetzt und ihr Pulver verschossen. Die offizielle Version von Green lautet, dass ihre Arbeit erledigt sei. Wenige Tage vor ihrem Rücktritt liess sie allerdings noch verlauten, dass ein solcher Umbau mehr als ein, zwei Jahre benötige und im Moment noch alles andere als fertig sei.
Auf jeden Fall hat sie das Terrain für ihren Nachfolger vorbereitet, welcher deutlich mehr Branchenerfahrung als Green vorweisen kann: Peter Fankhauser. Die Ernennung des 54-jährigen Schweizers kommt nur vom Zeitpunkt her überraschend; dass ihn sein Weg irgendwann an die Konzernspitze führen würde, schien vorbestimmt.
Seit er 2001 von LTU zu Thomas Cook stiess, bekleidet er dort leitende Funktionen: zuerst als Vorstand der damaligen C&N Touristic AG, dann als Verantwortlicher für das deutsche Veranstaltergeschäft der Thomas Cook AG, später als CEO Continental Europe und seit einem Jahr als Gruppen-COO im höchsten Führungsgremium.
Seine Karriere hatte Fankhauser 1990 bei Kuoni gestartet, wo er es bis zum Generaldirektor und Konzernleitungsmitglied der Kuoni Reisen Holding brachte. In den letzten Jahren wurde er bei dortigen CEO-Wechseln immer wieder einmal als möglicher Kandidat ins Gespräch gebracht. Bei Thomas Cook ist seine Aufgabe nun klar: Es geht ums «Umsetzen und Performen», wie es Fankhauser formuliert.
SJ



