Ein akutes Problem von Reiseveranstaltern ist die Möglichkeit der Endkunden oder auch der Reisebüros, über Internet direkt beim Hotel oder in Hotelbettenbanken die Ferienunterkunft selber zu buchen, und den Flug gleich dazu. Wird der Flug durch eine Anreise im eigenen Auto ersetzt, müsste es kaum noch einen Grund geben, spezielle Produkte zur Verfügung zu stellen. Doch weit gefehlt: Eigenanreise-Produkte sind weiterhin geschätzt.
«Der typische Reisebürokunde schätzt es, einen Katalog in den Händen zu haben und sich sicher zu fühlen, dass das gebuchte Angebot auch wirklich den Darstellungen im Katalog entspricht», erklärt Ueli Schütz (Contracting Manager Autoplan/Wellness bei Hotelplan), «die Produkte werden von uns laufend auf Qualität, Zuverlässigkeit und Sauberkeit vor Ort überprüft und für unsere Hotelplan- und Migros-Kunden mit Sorgfalt ausgesucht.» Zudem werde das Angebot mit Zusatzleistungen wie Skipauschalen, Wellness-Paketen oder Fähren angereichert. «Dadurch ist das Autoplan-Produkt nicht 1:1 durch Online-Plattformen oder Bettenbanken kopierbar», so Schütz.
Doch was ist mit dem Preisniveau? Da kann Autoplan laut Schütz jederzeit mithalten: «Schon bei Vertragsabschluss handeln wir attraktive Preise aus. Man muss nicht unbedingt auf Last-Minute-Angebote warten, da die Hoteliers bewusst Aktionen insbesondere in der Vor-/Nachsaison gewähren und Schweizer Gäste sehr gerne sehen, da diese meist länger als eine Nacht bleiben. Und sollte der Hotelier Aktionen tätigen, werden diese an uns weitergeleitet, d. h., wir haben tagesaktuelle Preise.» Grundsätzlich besteht also keine Gefahr, dass der Autoplan-Kunde zu viel für seine Ferien bezahlt, obschon es natürlich hin und wieder Preisdifferenzen gebe.
In Zahlen ausgedrückt: Der Anteil über Reisebüros verkaufter Arrangements beträgt laut Schütz 90 %, über den Direktverkauf nur 10 %. Und dabei besetzt Autoplan keine Nische. Die Konkurrenz von Frantour/Railtour, der Reka oder Discountern wie Aldi Suisse Tours oder Tchibo Reisen ist hart. Das ging nicht spurlos vorbei und Autoplan hat in den letzten Jahren je nach Destination einen leichten bis grösseren Rückgang der Buchungszahlen hinnehmen müssen, wie Schütz eingesteht: «Dies hat aber nichts mit dem Produkt zu tun, sondern mit den äus-serst billigen Flugarrangements an gewisse Destinationen, die zur echten Konkurrenz geworden sind.» Sehr oft bezahle man bei Autoplan mehr als bei einer Flugreise dafür ist man vor Ort mobil, und nicht zwingend an einer Massendestination.
Offenbar leideT Autoplan auch unter Kannibalisierung: «Wir als TO haben den grössten Werbeaufwand auf die äusserst knapp kalkulierten Risikoplätze der Pauschalarrangements ausgerichtet und das risikolose Autoplan-Geschäft eher vernachlässigt.» Doch nun komme das Internet wieder gelegen. «Endkunden sowie Reisebüros buchen vermehrt Autoplan-Hotels im Rahmen von dynamischen Packages zusammen mit Flügen», freut sich Schütz.
Auch deshalb habe man sich auf mehrtägige Aufenthalte spezialisiert. Dabei sei es oft schwierig, das wirklich passende Objekt zu finden: «Im Internet hat der Kunde zwar eine Riesenauswahl, doch findet er vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr», glaubt Schütz, «bei Autoplan haben wir bereits im Vorfeld die Vorselektion gemacht und glauben, unsere Kunden und deren Bedürfnisse zu kennen.» Auch die Ausrichtung auf Familien sei ein Vorteil, weil es immer noch praktisch und günstiger als Fliegen sei, wenn man mit der ganzen Familie ab Wohnort direkt in die Ferien zum gebuchten Ferienobjekt fahren kann, «ohne Schleppen von Koffern und Kinderwagen».
