Der Steigflug verflacht sich (Ausgabe 2008-14)

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor des Luftfahrtmagazins SkyNews.ch

Trotz den höchsten Ölpreisen seit Menschengedenken wird soviel geflogen
wie noch nie. Weltweit boomt die Luftfahrt dank der enormen
Mobilitätsbedürfnisse. 2007 wird als eines der besten Jahre für die
Airlinebranche in die Geschichte eingehen. «Wer jetzt kein Geld
verdient, der macht ganz bestimmt etwas falsch», sagte jüngst ein
Branchenkenner.

Doch wie lange hält dieser Boom noch an? Erste Anzeichen deuten darauf
hin, dass sich eine Verflachung des aviatischen Steigfluges einstellt.
Die monatlichen Zuwachsraten sind kleiner als im Vorjahr und auch die
Experten, die sich kürzlich an der Aircraft Finance & Commercial
Aviation Conference in Genf trafen, sehen Turbulenzen am Himmel.

Dass die Luftfahrt längerfristig nicht im selben Tempo wie 2007 wachsen
kann, ist heute auch aus strukturellen Gründen klar. Zwar sind
Verkehrsflugzeuge in Rekordmengen bestellt, doch ob diese auch so
ausgeliefert werden, darf bezweifelt werden. Branchenkenner gehen davon
aus, dass nur drei Viertel der heute georderten Flugzeuge auch
tatsächlich bei den Kunden zum Einsatz kommen. Und wer soll all diese
neuen Airliners steuern? Weltweit herrscht ein eklatanter Pilotenmangel
sowohl auf ziviler wie auch militärischer Seite. Auch Mechaniker,
Fluglotsen und andere Fachleute der Luftfahrtbranche fehlen. Zwar
werden weltweit Ausbildungsprogramme gestartet, doch die Schulung von
aviatischen Fachkräften dauert Jahre. Und einmal ausgebildet, mangelt
es ihnen an Erfahrung.

Im weiteren herrscht Platznot am Boden, neue Pisten oder gar Flughäfen
entstehen nur nach und nach. Am Himmel herrscht zwar (noch) keine
Platznot, dafür ist dieser in Europa alles andere als optimal
organisiert, so dass es auch auf den Luftstrassen zu Engpässen kommt.
Wer also bei der Luftfahrt von einem grenzenlosen Wachstum spricht, verkennt die Realität.