«Die Nachfrage ist um etwa 40% gesunken» (Ausgabe 2014-46)

Afrika-TOs erleben unterschiedliche Reaktionen auf die Ebola-Epidemie.

Die meisten Hochburgen des afrikanischen Tourismus sind weiter vom Ebola-Herd entfernt als Zürich. Dennoch hält die Angst vor dem Virus offenbar zahlreiche Schweizer von Reisen nach Südafrika, Namibia, Kenia und Co. ab. «Wir verspüren zurzeit eine um ca. 40% gesunkene Nachfrage», sagt Rolf Weber von Stohler, «die grösste Herausforderung in der nächsten Zeit wird die Information der Kunden sein, um mit der Angst vor Ebola umzugehen.» Dass das südliche Afrika weiter vom Ebola-Zentrum entfernt sei als die Schweiz und erst noch besser ausgerüstet – etwa mit Thermo-Scannern an den Flughäfen – werde von den Kunden nicht wahrgenommen. 

Hier ortet auch Carmen Wanner von Knecht Reisen das Problem. «Gerade Erstreisende meinen oft, Afrika sei ein einziges Land.» Dabei sei es alles andere als hilfreich, dass auch hierzulande zum Teil Fehlinformationen abgegeben werden. «Einem unserer Kunden wurde vom Hausarzt abgeraten, nach Namibia zu reisen.» Vor allem die lokalen Partner würden unter diesen Pauschalisierungen leiden und aufgrund der eingebrochenen Nachfrage bereits Alarm schlagen.

Suzanne Benadie arbeitet für die DMC Tourvest in Südafrika und ist Partner von Hotelplan Suisse. «Wir spüren vor allem, dass die Quellmärkte Asien und Indien nachgegeben haben sowie die Gruppen-reisen», erklärt sie. Ausserdem registriert sie mehr kurzfristige Buchungen. Bei Hotelplan Suisse gibt es gemäss Chris Infanger zahlenmässig keinen grossen «Ebola-Effekt»; «aber seit eine grössere Buchung für Südafrika mit der Begründung Ebola sistiert wurde, sind wir auf das Thema sensibilisiert.»

Generell scheinen die Schweizer mit dem Thema differenzierter umzugehen als beispielsweise der US-Markt. «Die Schweizer informieren sich anders und detaillierter», sagt John Stewardson von Africa Design Travel, «wir hatten für Südafrika nur eine Annullation wegen Ebola. Der Kunde geht nun Ski fahren, wobei ich das für gefährlicher halte.»

Auch Claudio Nauli von Private Safaris merkt, dass die Schweizer mit dem Thema entspannter umgehen: «An der letzten Ferienmesse hatten wir 100 Karten und Infoblätter dabei. 97 haben wir wieder mit nach Hause genommen.» Gerade im südlichen Afrika stellt er wenig Unsicherheit fest. «Grundsätzlich ist Ebola in all unseren Destinationen kein Problem – nur dass ständig darüber gesprochen wird.»

Stefan Jäggi