Die Preise für Kreuzfahrten stabilisieren sich (Ausgabe 2014-33)

Die grosse TRAVEL INSIDE-Umfrage bei führenden Cruise-Anbietern zu einem Reisesegment in Form.

In der Regel ist zu diesem Zeitpunkt fast 90% der Gesamtjahresproduktion für Kreuzfahrten gebucht – wie präsentiert sich der Markt 2014? Obwohl die einzelnen Auskünfte der befragten Anbieter divergieren, darf generell von einer weiterhin erfreulichen Entwicklung gesprochen werden. Zu den Tour Operators: Bei Kuoni liegt der Zuwachs gemäss Cornelia Gemperle im «hohen einstelligen Prozentbereich», bei Hotelplan spricht Marco Strub von einer «Trendwende» mit einer Umsatzsteigerung bei leichtem Pax-Rückgang und Sascha Dimitriadis von Knecht kann sich über eine «hohe zweistellige Zuwachsrate» freuen. Alle TOs bestätigen, dass sich das Wachstum auf sämtliche Segmente bezieht.

Ähnlich das Bild bei den Spezialisten: Stephan Frei von Mittelthurgau spricht in Bezug auf Hochsee von einer «positiven Entwicklung» mit höherem Umsatz. Roman Pfister nennt für Cruisetour ein Umsatzplus von rund 20% (B2C, d.h. ohne die Umsätze über Cets von rund 100 Agenten) und Willy Noser von Delphi Reisen unterstreicht den «sehr guten Start» von Januar bis Mai, dem aber eine eher verhaltene Periode folgte. Diese Beobachtung wird u.a. auch von George Studer (Cruisecenter) geteilt, der sich zudem Gedanken zum Herbstgeschäft macht: «Der Buchungsverlauf bei den Mainstream-Produkten ist immer noch schleppend.»

Interessant dazu die Angaben der zwei marktdominierenden Reedereien: Matthias Schiesser (Costa) spricht von einem «zweistelligen Wachstum» sowohl bei Pax wie Umsatz, während es bei MSC gemäss Carmen Doré in diesem Jahr kein organisches Wachstum gibt und man deshalb die Zahlen konsolidiere. Für den Herbst zeigt sie sich zuversichtlich, während man bei Costa eher die Einschätzung von Studer teilt.

Ebenso entscheidend wie der Geschäftsgang ist die Entwicklung des Preisniveaus, das seit der Concordia-Havarie stets wieder für kritische Stimmen sorgte. Jetzt scheint sich – wie es etwa Strub formuliert – eine Trendwende abzuzeichnen: «Das Preisniveau hat sich gehalten, ist sogar leicht gestiegen.» Das bestätigt Frei: «Gerade die US-Reedereien haben positiv zugelegt.» Und Dimitriadis weist darauf hin, dass die Aktionen nicht mehr nur über den Preis, sondern vermehrt auch über Zusatzleistungen angeboten werden. 

Auch das Kundenverhalten habe sich verändert, so Gemperle: Es werde frühzeitiger gebucht, weil man allmählich erkenne, dass es kurzfristig nicht zwingend die billigsten Schnäppchen gebe. Das Preisniveau sei zwar stabiler geworden, «ist aber noch nicht dort, wo ich es gerne hätte». Das stabile Preisniveau führt Studer auch auf die um rund 14% reduzierten Bettenkapazitäten in den wichtigen europäischen Revieren zurück. Noch ein Indikator: Bei Delphi Reisen ist der Umsatz pro Passagier gemäss Noser um 9% gestiegen.

Die beobachtungen der Mittler decken sich mit den Aussagen der Grossreedereien: MSC bestätigt, dass man in diesem Jahr mit Aktionen zurückhaltender umgehe und die Qualität des Produktes unterstreiche: «Wir bieten attraktive Frühbucherpreise – bei Aktionen handelt es sich vorwiegend um Last-Minute-Angebote», sagt Doré. Auch Costa konnte die Preise generell etwas erhöhen, «doch sie sind immer noch tief – die Gäste erhalten viel für ihr Geld», so Schiesser. 

Bei den bevorzugten Cruise-Revieren im Markt Schweiz liegt bei Costa das Mittelmeer mit einem Pax-Anteil von 35% vor Nordeuropa mit 25%. «Zunehmend gebucht werden längere und teurere Kreuzfahrten, aber auch die Routen der NeoCollection», so Schiesser. Bei MSC wird besonders die Nachfrage für die Karibik (MSC Divina) hervorgehoben oder der Erfolg der Grand Voyage Dubai–Perth mit der MSC Orchestra. 

Auch die Mittler verweisen auf den Trend nach längeren und exotischen Routen weltweit. Im Mittelmeer dürfte das östliche Mittelmeer weiter die Nase vorne haben. Ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnet vielerorts das europäische Nordland, während das Schwarze Meer (und aktuell die Herbstfahrten nach Israel) aus naheliegenden Gründen zu den Verlierern gehören. Für Spannung sorgt nun noch die (erhoffte) Last-Minute-Buchungswelle für den Herbst, die dem ansonsten guten Cruise-Jahr 2014 noch die Krone aufsetzen könnte.

BE