«Die Sicherheit der Passagiere steht an oberster Stelle» (Ausgabe 2014-32)

Jürg Schwarz äussert sich zu den Auswirkungen des Konflikts zwischen Israel und der palästinensischen Hamas auf das Fluggeschäft.

Herr Schwarz, vor zwei Wochen haben diverse Airlines den Flughafen Tel Aviv Ben Gurion vorübergehend nicht mehr angeflogen. El Al flog durchgehend. Worauf stützte El Al ihren Entscheid, den Flugbetrieb trotz Raketenbeschuss nicht zu unterbrechen? 

Die Situation wird von uns laufend analysiert und beurteilt, wobei die Sicherheit aller Passagiere und Mitarbeitenden an oberster Stelle steht. Aufgrund dieser Beurteilung wurde entschieden, dass der Flugbetrieb aufrechterhalten werden kann. Genau gleich haben auch einige andere Fluggesellschaften entschieden und ihre Flüge nicht unterbrochen.

Inzwischen fliegen alle Airlines wieder nach Tel Aviv, was aber von Pilotenseite teils kritisiert wird. Wie schätzen Sie die Sicherheitslage am Flughafen Ben Gurion ein?

Wie schon erklärt, fliessen alle Informationen für eine Lagebeurteilung an zentraler Stelle zusammen. Dabei hat die Sicherheit die höchste Priorität, und ich stütze mich voll und ganz auf diese Angaben. Dieselbe Einschätzung wird offenbar von allen Fluggesellschaften übernommen, die den Betrieb wieder ohne Einschränkungen aufgenommen haben. 

Man hört, dass die Preise bei El Al zwischenzeitlich, als nur drei Airlines nach Tel Aviv flogen, scharf angestiegen sind. Ein normales Angebot-/Nachfrage-Manöver oder Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf Sicherheitsaspekte?

Die Preise für Flüge in der Hochsaison, wozu der Juli zählt, sind höher als in der Low-Season, wenn die Flugzeuge weniger ausgelastet sind. Durch die vorübergehende Annullation von Flügen anderer Gesellschaften konnte der plötzlichen, grossen Nachfrage nicht entsprochen werden und die wenigen, vorhandenen Plätze wurden zu den entsprechenden Preisen in der Hochsaison verkauft.

Spürt El Al bzw. die israelische Tourismusindustrie bereits Auswirkungen vom neuerlichen Aufflammen der Feindseligkeiten zwischen Israel und Hamas?

Tatsächlich flammten die Feindseligkeiten in den letzten Wochen auf, da Israel vermehrt mit Raketen angegriffen wurde. Und ja, die Tourismusindustrie und darin eingeschlossen auch die Fluggesellschaften spüren die Auswirkungen dieser Situation und sind davon betroffen. Der Luftverkehr hält die Verbindung von Israel mit dem Ausland aufrecht – deshalb hat diese Situation auf Geschäftsleute, Studenten, Forscher und Techniker sowie Passagiere, welche Familien und Freunde in Israel oder im Ausland besuchen, weniger Auswirkungen als auf den allgemeinen Tourismus.

Überflüge über Krisengebiete sind allgemein ein Thema dieser Tage. Ist das auch beim B.A.R., dessen Präsident Sie ja sind, ein Thema?

IATA-Generaldirektor und CEO Tony Tyler hat am 21. Juli in Zusammenhang mit dem Abschuss von MH17 mit einem Statement auf die Verantwortung der Regierungen und der Air Navigation für
sichere Flugrouten in Krisengebieten hingewiesen, die von den Fluggesellschaften umgesetzt werden müssen.
Wir stehen zu dieser Erklärung und möchten keinen weiteren Kommentar dazu abgeben. 

JCR