Frau Alves, bevor Sie im April 2014 in die Schweiz kamen, haben Sie für die TAP in den Niederlanden gearbeitet. Was ist im Vergleich das Besondere am Schweizer Markt?
Allgemein gibt es in der Schweiz ein hohes Potenzial für unsere Routen nach Portugal und Brasilien. Das Besondere ist jedoch das ethnische Segment, das vor allem in Genf zum Tragen kommt. Von den rund 250000 Portugiesen in der Schweiz leben die meisten in der Westschweiz. Viele haben noch enge Beziehungen nach Portugal.
Wie sieht Ihr Team in Zürich aus?
Derzeit sind wir sieben Leute im Büro, eine Stelle ist offen und wir sind dabei, Interviews zu führen. Im Genfer Büro arbeiten drei Leute. Zudem gibt es vier Mitarbeitende im Ticketshop am Flughafen Zürich und je einen Station Manager in Zürich und in Genf.
Welches sind derzeit die dringlichsten Aufgaben von Ihnen als Country-Mana-gerin und von Ihrem Team?
Wir promoten den Brand TAP Portugal und setzen die Arbeit fort, die hier seit fünf Jahrzehnten geleistet wird. In erster Linie ist es aber meine Aufgabe, zu wissen, was die Bedürfnisse des Schweizer Marktes sind, heute und in zwei bis drei Monaten.
Und was sind die Bedürfnisse?Das ändert sich ständig.
TAP hat seit Juni 2014 elf neue Routen eröffnet. Neben sieben Zielen in Europa sind Manaus, Belém, Bogotá und Panama City dazugekommen. Wie sind die Destinationen angelaufen?
Sehr gut. Aber das ist nach der Hochsaison nicht repräsentativ, da müssen wir erst das ganze Jahr betrachten.
Die Swiss, die wie die TAP zur Star Alliance gehört, hat ihr Streckennetz 2014 ebenfalls stark ausgebaut. Unter anderem wurde die Verbindung ZürichPorto lanciert. Was sagen Sie dazu?
Porto ist eine wachsende Destination, die im Ausland immer mehr wahrgenommen wird. Wenn ein neuer Anbieter an den Markt kommt, fördert das die Nachfrage. Das ist auch eine Chance für uns. Auf der Verbindung ZürichLissabon fliegen wir seit längerem im Codeshare mit der Swiss. Ganz neu ist das auch für Porto der Fall. Somit ist der Markteintritt der Swiss für uns keine Bedrohung, sondern eine Geschäftsmöglichkeit. Vom Codesharing profitieren immer beide Seiten.
Inwieweit beeinflussen Sportereig-nisse wie die Fussball-WM 2014 in Brasilien und die Olympischen Spiele 2016 in Rio die Pläne der TAP als europäischem Marktführer in Brasilien?
Natürlich bringen uns diese Ereignisse viele zusätzliche Passagiere. Aber nur kurzfristig. Unsere Position in Brasilien war schon vorher stark. Wir planen unsere Projekte viel langfristiger. Vor der WM flogen wir zehn Flughäfen in Brasilien an, neun davon WM-Orte. Nun fliegen wir zu zwölf Flughäfen.
Warum liegt Ihr Fokus auf Brasilien?
Wir bieten 81 Flüge pro Woche nach Brasilien an. Das Land gewinnt derzeit enorm an Bedeutung in der Weltwirtschaft. Durch unser neues Codeshare-Abkommen mit der brasilianischen GOL wächst unser Angebot sogar auf 29 Destinationen. Was viele jedoch übersehen: Auch in Afrika vor allem in den ehemaligen portugiesischen Kolonien im Westen sind wir stark. Dort fliegen wir zu 14 Flughäfen und bieten bis zu 71 Flüge pro Woche an.
In Genf ist die Low-Cost-Konkurrenz sehr aktiv. Was haben Sie dem Angebot entgegenzusetzen?
Die Low-Cost-Airlines sind Realität. Damit müssen wir umgehen und uns anpassen, auch preislich. Aber wir sind keine Low-Cost-Airline und setzen auf unseren guten, portugiesischen Service, der bereits im Preis integriert ist. Das ist bei den Billigfliegern nicht der Fall und immer mehr Passagiere wissen das auch. Eine unserer Stärken ist das Weinangebot an Bord. Aber auch das Durchchecken auf der Langstrecke und unsere neue Lounge in Lissabon gehören zu den Annehmlichkeiten.
Können Sie das aktuelle Angebot der TAP in der Schweiz kurz beschreiben?
Aktuell gibt es neun tägliche Flüge. GenfPorto zwei Mal, ZürichPorto ein Mal, GenfLissabon und ZürichLissabon je drei Mal. Von Januar bis November wurden 310000 Passagiere aus dem Schweizer Markt transportiert. Zwischen 55 und 60 Prozent der Passagiere nutzen unser Point-to-Point-Angebot. Der Rest sind Anschlussflüge.
TAP Portugal soll nach langem Hin und Her nun doch privatisiert werden. Zunächst zu 66 Prozent, mit einer zweijährigen Option auf 100 Prozent. Was sagen Sie persönlich zu den Plänen?
Die Portugiesen werden ihre TAP nicht verlieren, wenn sie weiterhin ein gutes Produkt anbietet und die portugiesische Kultur nach aussen trägt. Dann macht es eigentlich keinen Unterschied. Entscheidend ist, was das Unternehmen nach aussen repräsentiert. Das ist meine Meinung als Portugiesin.



