Herr Ugur, Sie kritisieren in einem -offenen Brief den türkischen Tourismusminister für seine Untätigkeit. Warum gerade jetzt?
Ab jetzt bis Mitte November sind die entscheidenden Wochen für unser Geschäft im nächsten Jahr. Wenn wir jetzt nichts tun, um die unglücklichen Ereignisse der letzten Wochen hinter uns zu lassen, läuft die Zeit ab und wir verpassen Entscheidendes.
Was fordern Sie vom Minister?
Er soll arbeiten. Auch wenn er nur zwei Monate im Amt ist. Er soll eine Arbeitsgruppe aus erfahrenen Leuten zusammenrufen. Er selbst ist ja kein Touristiker. In den Krisenzeiten der 70er- und 90er-Jahre haben wir Hand in Hand gearbeitet. Der Minister ist nach Europa gekommen, hat Pressekonferenzen gegeben, Zeitungsredaktionen besucht, Werbung gemacht. Auch jetzt muss man was tun.
Was sollte man denn tun?
Die Türkei muss mehr Werbung machen. Man darf den Etat nicht verkleinern, man muss ihn vergrössern und dranbleiben. Es gibt gar kein Konzept. Jeder wartet ab. Auch in den Fremdenverkehrsbüros müssen die Bürokraten warten und wissen nicht, was kommt.
Wofür sollte Werbung gemacht werden?
Man kann und sollte in die Türkei reisen. Die Qualität der Badeferien ist so gut wie kaum irgendwo am Mittelmeer. Wenn man sich von Demonstrationen fernhält und sich im normalen Umfeld der Stadt bewegt, passiert nichts. Anschläge wie der in Ankara passieren auch in anderen Ländern. Tunesien z.B. tut viel mehr für sein Image als die Türkei. Deshalb kommen dort auch schon wieder Touristen.
Wie verunsichert sind die Reisenden?
Die Türkei-Nachfrage ist im Gegensatz zum letzten Jahr aktuell um 30% eingebrochen. Das wird sich zwar wieder legen. Aber im Moment gilt dieser Rückgang für alle Türkeispezialisten und auch für die Hotels. Uns trifft es voll, auch wenn wir es seit Neuestem mit anderen Destinationen ausgleichen können. Die Türkei für fast umsonst zu verkaufen, ist nicht mein Geschäftsmodell. Ich will nicht, dass die Türkei im nächsten Jahr ein reines Last-Minute-Land wird. Bei Bentour haben wir bereits in diesem Jahr einen Rückgang von 10%.
Haben Sie Antwort vom Minister?
Bis jetzt noch nicht. Aber dann werde ich eben ein Inserat mit meiner Forderung in der türkischen «Hürriyet» schalten.
SG



