Durchbruch für Swiss: keine Gebühren für Travelport-Nutzer (Ausgabe 2008-23)

Swiss und Lufthansa haben mit Travelport eine globale, langfristige Full-Content-Vereinbarung unterzeichnet – Kuoni vermittelte.

Die Verhandlungen im Rahmen der Preferred Fares von Swiss (LX) und
Lufthansa (LH) gehen in die nächste Runde. Nach dem GDS Sabre folgen
nun auch die Travelport GDS Galileo und Worldspan, die speziell in der
Schweiz über eine hohe Nutzungsdichte verfügen. Durch die neu
unterzeichnete und bis Ende 2011 geltende globale
Full-Content-Vereinbarung wird allen Galileo- und Worldspan-Reisebüros
in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein der Zugriff
auf alle veröffentlichten Tarife und Verfügbarkeiten von Swiss und
Lufthansa gewährt. Bedingung für den Zugriff – ohne die Mitte Januar
kommunizierte Zusatzgebühr – ist die Teilnahme am
Preferred-Fares-Modell.

«Der Wert von Galileo und Worldspan definiert sich über den Inhalt.
Full-Content-Verträge sind für uns von entsprechend hoher Wichtigkeit»,
sagt Bryan Conway, Geschäftsführer Europa, Mittlerer Osten, Afrika von
Travelport GDS. «Wir verstehen die Haltung der Airlines bezüglich der
Distributionskonditionen. Für uns ist es jedoch äusserst wichtig,
unseren Reisebüro-Kunden ein verlässliches Instrument für gute und auch
verfügbare Tarife anbieten zu können. Daher sind wir mit Swiss und
Lufthansa in Verhandlungen getreten.»

Für Travelport sei es wichtig, so Conway, Geschäfte über einen langen
Zeitraum abzuschliessen, denn Vertrauen der Kunden generiere man vor
allem über Zeit. Ausserdem könnten über eine längere Vertragsdauer die
anstehenden Zusatzinvestitionen in den Ausbau neuer Techniken und
Funktionalitäten besser verkraftet werden. «Neben dem steigenden
Vertrauen unserer Kunden werden wir auch den Verkauf in der Schweiz
steigern können», ist sich Conway sicher. An den bestehenden
Langzeitabkommen mit den Reisebüros werde sich hingegen nichts ändern,
da die zwischen drei und fünf Jahren geltenden Verträge nicht
abgeändert werden können.

Für Swiss stand seit Januar die Reduktion der durch die GDS anfallenden
Kosten im Mittelpunkt des Interesses. «Das Ziel von Swiss war es von
Anfang an, im Markt immer ‹gleich lange Spiesse› zu haben, das heisst
alle Teilnehmer haben den gleichen Startpunkt und die gleichen
Konditionen», sagt Harry Hohmeister, Chief Network & Distribution
Officer von Swiss. Hohmeister strebte nicht explizit und um jeden Preis
eine reine Schweizer Lösung an: «Nur eine rational gute Lösung ist
wirklich dienlich, nicht eine explizite Schweizer Lösung.»

hohe Treibstoffkosten und die Billigfluglinien setzen die Airlines
unter Druck. «Die Streichung von Flügen ist für uns keine Lösung.
Angepasste Kosten- und Preisstrukturen sind gefragt», sagt Hohmeister
und fügt an, dass die Airline keine Vorteile durch den Vertrieb über
swiss.com anstrebt, mit Produkten, die den Reisebüros nicht zugänglich
sind.

Durch die Partnerschaft mit Travelport, wie zuvor schon mit Sabre, hat
Swiss das Ziel der angepassten Kostenstrukturen erreicht. Die
prognostizierten GDS-Gebühren von rund 90 Millionen Franken können
dadurch zwar nicht vollständig getilgt, jedoch stark reduziert werden.
«Es ist wie eine Ehe auf Zeit», sagt Homeister. «Und solange sich
letztlich ein Erfolg abzeichnet, gibt man sich auch mit kleineren
Schritten zufrieden. Wir sind auf gutem Weg, unsere Ziele zu erreichen.
Die jetzige Lösung ist eine klassischen Win-Win-Situation», sagt
Hohmeister.

Die Übereinkunft zwischen Sabre und Swiss habe die
Vertragsverhandlungen zwischen Travelport und Swiss nicht beschleunigt,
so Conway. Hohmeister bestätigt dies: «Der Sabre-Deal gab uns einzig
ein Zeichen, dass ein solches Vorhaben überhaupt umsetzbar ist.» Laut
Hohmeister führt Swiss zwar auch Gespräche mit Amadeus, von konkreten
Verhandlungen sei man allerdings noch weit entfernt.

Mit dem Schweizerischen Reisebüro-Verband (SRV) bleibt die Swiss auch
weiterhin im Gespräch. Hohmeister hofft, dass möglichst viele
Reisebüros die Frist bis zum 16. Juni nutzen und die unterschriebenen
Verträge retournieren: «Damit sichern sie sich den Zugriff auf die
Vorzugspreise und auch ihre Wettbewerbsfähigkeit.» Auf der Seite des
SRV geht man derzeit nochmals hinter die Bücher. In einer Mitteilung
liess der SRV verlauten, dass die Empfehlung zur Nichtunterzeichnung
des Vertrages auf Grund der neuen Sachlage neu geprüft werde. Am
Dienstag dieser Woche trat der Vorstand zu Beratungen zusammen.

Angelo Heuberger/Simon Benz

Kuoni – der Vermittler im Hintergrund

Zwischen den Vertretern von Swiss und Travelport agierte Kuoni
laut Stefan Leser, CEO Kuoni Schweiz, als Vermittler. Als Kuoni mit
Swiss Anfang Februar eine strategische Partnerschaft einging, war
gemäss Leser auch das Thema Preferred Fares bereits aktuell. Leser: «Es
wäre für Kuoni sicherlich möglich gewesen, eine bilaterales Agreement
einzugehen. Wir waren uns unserer Verantwortung als signifikanter
Spieler innerhalb der Industrie bewusst, darum waren wir stark an einer
Branchenlösung interessiert. Das angekündigte Modell hätte Kuoni einige
Millionen gekostet, die wir nicht an die Kunden hätten abwälzen können.
Daher nahmen wir auch im eigenen Interesse eine vermittelnde Rolle
ein.» Kuoni ist mit 100 Schweizer Reisebüros ein sehr wichtiger Kunde
für Travelport, eine Übereinkunft in der Frage um das
Preferred-Fares-Modell war entsprechend wichtig.   

AH/BNZ