Am 25. November befinden die Stimmberechtigten des Kantons Zürich über zwei Flughafen-Vorlagen. Die Volksinitiative «Für eine realistische Flughafenpolitik», auch Plafonierungs-Initiative genannt, verlangt eine Plafonierung der Flugbewegungen bei 250000 pro Jahr und eine neunstündige Nachtruhe. Der Gegenvorschlag des Kantonsrates sieht vor, die Nachtruhe um eine Stunde zu verlängern (23.00 bis 06.00 Uhr), bei 320000 Flugbewegungen pro Jahr eine neue Lagebeurteilung vorzunehmen und den Zürcher Fluglärm-Index einzuführen.
Die Annahme der Initiative hätte Auswirkungen auf die ganze Schweiz. Die Wirtschaft, insbesondere der Tourismus (Incoming sowie Outgoing), wäre stark betroffen, der volkswirtschaftliche Schaden immens. Tausende Arbeitsplätze bei Fluggesellschaften, am Flughafen und bei Zulieferbetrieben in der Region sind direkt oder indirekt vom Flughafen abhängig.
Die einzige interkontinentale Drehscheibe des Exportlandes Schweiz würde durch ein Ja in ihrer Entwicklung massiv beeinträchtigt. Bei heute bereits 270000 Flugbewegungen bringt die Initiative einen Rückschritt. Die Swiss könnte laut eigenen Aussagen Zürich nicht mehr als Drehkreuz betreiben. Die Folge wäre eine Redimensionierung des prosperierenden Homecarriers. Und: Weniger Flugbewegungen bedeuten weniger Verkehr, weniger Nachfrage und somit weniger Arbeit. Zu behaupten, ein Ja hätte keine Auswirkungen auf Arbeitsplätze, ist unverantwortlich.
Bei allem Verständnis für die Anliegen der betroffenen Bevölkerung: Eine Beschränkung der Flugbewegungen ist der falsche Weg, um die Lärmimmissionen zu reduzieren. Luftverkehr ist Bundessache, der Kanton Zürich wäre bei einem Ja dazu angehalten, sich in Bern für die Umsetzung der Initiative stark zu machen, auch wenn sich das Begehren kaum mit den luftfahrtpolitischen Zielen des Bundes vereinbaren lässt. Bern muss sich aktiv um Alternativlösungen kümmern, durch die Zulassung des gekröpften Nordanflugs und durch weitere Verhandlungen mit Deutschland. Die Industrie selbst leistet ihren Beitrag an die Lärmbekämpfung durch immer leisere Flugzeuge.
Trotz aller Emotionen geht es um einen wirtschaftlichen Entscheid, um die Entwicklung einer ganzen Region, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und eine breite Anbindung der Schweiz an die Welt. Ein Nein zu beiden Vorlagen ist deshalb ein Bekenntnis zur Vernunft.
