Eine Boeing 767 für die Vereinsreise (Ausgabe 2015-50)

Seit 21 Jahren organisiert das Aargauer Unternehmen Euroshuttle Charterflüge nach Bedarf – auch für Reisebüros.

Eine zweiplätzige Cirrus? Eine Beech 1900D mit 18 Sitzplätzen? Eine Boeing 737-800? Oder ein ausgewachsener Airbus A380 für bis zu 900 Passagiere? All diese Flugzeuge und noch viele mehr kann Euroshuttle gemäss seiner Website auftreiben. Das Unternehmen mit Sitz in Muri hat sich auf das Air-Charter-Geschäft spezialisiert und organisiert Flugreisen für Firmen und Vereine oder hilft den Reisebüros bei der Organisation von Gruppenreisen.

Und wie kommt Euroshuttle zu den Flugzeugen? «Wir haben uns eine interne Datenbank mit inzwischen 700 Maschinen aufgebaut. Viele stammen von ACMI-Firmen oder Businessjet-Anbietern», erklärt Geschäftsführer Daniel Riner. Ein A380 wäre wohl nicht ganz einfach aufzutreiben, räumt er schmunzelnd ein, «aber beispielsweise eine Boeing 767 hatten wir schon oft. Häufig teilen wir grosse Gruppen von mehreren hundert Pax aber auf zwei kleinere Maschinen auf, was günstiger und effizienter ist.» 

Beispiele für erfolgreiche Grossprojekte kann er einige nennen. «Für ein Jubiläum eines grossen Modeunternehmens haben wir einmal 1600 Pax aus 800 verschiedenen Filialen aus ganz Europa nach Luzern gebracht.» Da Euroshuttle auch ein eigenes Reisebüro betreibt, kann er die Charterflüge mit normalen Reiseleistungen kombinieren. Am Beispiel des Modeunternehmens sah das so aus: sieben Vollcharter aus ganz Europa, dazu 900 Pax auf Linienflügen, plus Bahnreisen für die kurzen Strecken. Alle 1600 Pax trafen innert drei Stunden in Zürich ein, von wo aus sie mit 55 Bussen nach Luzern gebracht wurden.

Regelmässige Kunden sind unter anderem der FC Sion, der HC Davos für seine Champions-League-Spiele oder die Handballer von den Kadetten Schaffhausen. Oder aber Vereine mit viel Spezialgepäck; etwa ein Orchester, das seine Instrumente in die Kabine mitnehmen will.

Insgesamt kommen Riner und sein sechsköpfiges Team auf rund 30 Aufträge pro Jahr – in einem sehr margenstarken Geschäft. «Das Produkt ist äus-serst beratungsintensiv und gibt es nicht ab Stange. Auch für die Reisebüros ist es lukrativ», erklärt der Geschäftsführer. Über 50% seines Volumens wickelt Euroshuttle nämlich via Drittagenten ab. «Oftmals haben die Reisebüros ja nur ein oder zwei Anfragen dieser Art pro Jahr und deshalb kaum Übung darin. Wir kümmern uns um alles, stellen das Personal vor Ort, organisieren Lounges, separate Check-in-Schalter mit den Kundenlogos, informieren die Transferbusse bei Verspätungen etc.», so Riner.

Den Reisebüros verrechnet er die Nettopreise, die Marge kann der Agent dann selber draufschlagen. Im Zweifelsfalle können die Reisebüros einfach anfragen: «Innert zehn Minuten können wir ihnen sagen, ob sich ein Charter lohnt.»

Mit diesem Konzept besteht die Euroshuttle Bedarfs-Luftverkehrs Muri AG seit nunmehr 21 Jahren. Ursprünglich war die Firma eigentlich als Airtaxi-Unternehmen angedacht. «Aber schon nach wenigen Monaten merkten wir, dass die Kunden und TOs vor allem nach Strecken fragten, die wir gar nicht im Angebot hatten», erinnert sich Riner. Also schwenkten er und sein Bruder Harald, der heute noch im Verwaltungsrat sitzt, auf das Bedarfs-Modell um. 

Im Vergleich zu früher stünden heute nur noch die Kosten im Vordergrund, während Flugzeugtyp, Gesellschaft, Catering etc. in den Hintergrund gerutscht seien. Für sein Geschäftsmodell sieht er aber weiterhin eine Zukunft: «Gerade für komplexe Projekte sind wir immer noch sehr gefragt.»

SJ