«Erstaunlich schnell zum Normalbetrieb zurückgekehrt» (Ausgabe 2016-13)

Die Anschläge von Brüssel haben die Buchungslust der Städtereise-Kunden nur kurz gedrosselt.

Frau Rotzetter, es gab innert kurzer Zeit Anschläge in Paris, Istanbul und Paris. Wie reagieren die StädtereiseKunden? 

Die Menschen scheinen zu differenzieren. Im Fall von Istanbul sind die Kunden nach den wiederholten Ereignissen tatsächlich zurückhaltend geworden. Bei Brüssel sind die Impacts geringer. Für Städte allgemein waren die Buchungseingänge am letzten Mittwoch und Donnerstag leicht geringer, aber schon über die Ostertage sind Online-Buchungen wieder in normalem Umfang erfolgt.

Hat das Segment Städtereisen Schaden genommen?

Davon ist nicht auszugehen. Nach einer gewissen Zeit werden selbst schreckliche Unglücke, wie es z.B. auch die Anschläge in Madrid oder London waren, von der Aktualität überholt. Die Terroristen wählen ja absichtlich «weiche Ziele». Das heisst, man kann auch plötzlich zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Auch in der Schweiz wurden die Sicherheitsvorkehrungen nach Brüssel erhöht und es hiess, der Schweizer Nachrichtendienst habe Defizite.

Wie gehen Sie im Verkauf mit der konkreten Terrorgefahr um?

Situativ. Im Fall von Brüssel konnten die Dossiers über Ostern kostenlos storniert werden.

Kann man den Leuten Städtereisen überhaupt noch schmackhaft machen?

Jeder Reisende muss wohl sein Sicherheitsempfinden selber einschätzen. Wenn jemandem eine Reise in eine Grossstadt Missbehagen verursacht, dann kann auch ein Trip in eine beschaulichere Stadt wie z.B. Graz Spannendes bringen. Es gibt aber auch Menschen, die sich in ihrer Wahl nicht einschüchtern und sagen «Jetzt erst recht». 

Welche Ängste haben die Kunden derzeit?

Erstaunlicherweise hören wir aktuell nichts. Im November nach den Pariser Attentaten wurden uns viel mehr Fragen nach der Sicherheitslage gestellt, und ängstliche Kunden wollten auch Reisen in andere Städte, zum Beispiel nach München oder Salzburg, stornieren. Diesmal sind wir erstaunlich schnell zum «Courant normal» zurückgekehrt. 

Gibt es Verschiebungen bei den beliebtesten Railtour-Zielen? 

Brüssel ist für Railtour eher eine Nischendestination. Die Topseller sind nach wie vor Paris, Venedig, London. In diesem Frühjahr sind zudem Florenz, Verona, Salzburg, Lissabon und Wien sehr gut gefragt. Auch Mailand gehört zu den Topsellern, allerdings ist das Buchungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr, als die Expo stattfand, natürlich etwas geringer. Schwächer gebucht als im Vorjahr sind Istanbul sowie Dresden, wo die wöchentlichen Demos die Kunden irritieren. 

Paris hatte aufs Ostergeschäft gehofft. Wie sieht es dort nun aus? 

Ostern war 2016 sehr früh, sodass die Buchungen hinter dem Vorjahr zurücklagen. Die Abreisen für April- und Mai-Wochenenden sehen aber vielversprechend aus. Was die Buchungseingänge für Paris anbelangt, müssen wir sehen, wie sich die Nachfrage nun entwickeln wird. Seit Anfang März hatten sich die Buchungseingänge gegenüber den Monaten Dezember bis Februar deutlich erholt. 

Was wäre Ihr Wunsch in Sachen Sicherheit?

Die absolute Sicherheit gibt es nicht. Da die Angreifer sich nicht an Grenzen halten, sollten die Länder vermehrt grenzüberschreitend Informationen austauschen und zusammenarbeiten. 

SG