Seit dem Abgang von Armin Meier im Dezember 2007 wird der Kuoni-Konzern
interimistisch von CFO Max Katz geleitet. Am 23. April gab Kuoni nun
bekannt, dass man mit Peter Rothwell einen neuen CEO gefunden habe.
Während Meier die Organisation von Grund auf veränderte und die
Länderverantwortung durch die neue Spartenverantwortung ersetzte, tritt
Rothwell als Externer die neue Stelle gänzlich unbelastet von
ehemaligen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kuoni-Gruppe an.
rothwell verfügt über eine 26-jährige touristische Erfahrung, die ihm
bei der Kuoni-Belegschaft einen Bonus einbringen könnte. Nach seinem
Französisch- und Deutschstudium an der Oxford University trat der
gebürtige Brite 1982 in das Traineeprogramm von Thomson Holidays ein,
wo er nach einem kurzen Abstecher zu Jetset und sechs Jahren Airtours
Holidays nach seiner Rückkehr 2001 zum COO für Grossbritannien,
Nordirland, Irland und Skandinavien avancierte. Nach der
Umstrukturierung der Thomson Travel Group wurde Rothwell im Oktober
2002 Vorstandsvorsitzender von TUI Northern Europe und ab 2004
zusätzlich Managing Director von Marktführer TUI UK.
Ab 2006 war der heute 48-Jährige neben diesen Funktionen als COO der
TUI AG für sämtliche touristischen Aktivitäten zuständig. Im Zuge der
Fusion von TUI mit dem britischen Reisekonzern First Choice, an der er
massgeblich beteiligt war, verliess er das Unternehmen Ende 2007 als
Vizechef der TUI Travel PLC und Vorstandsmitglied der TUI AG. Über die
Gründe darf spekuliert werden, offiziell wurde nie etwas kommuniziert.
Voraussichtlicher Amtsantritt bei Kuoni ist der 1. Januar 2009, dies
aufgrund eines zwölfmonatigen Konkurrenzverbots von TUI. Seinem
Arbeitsbeginn blickt Rothwell motiviert entgegen: «Kuoni ist im Markt
für Premium- und Spezialreisen gut positioniert; das Unternehmen an der
Spitze weiterzubringen ist für mich eine ebenso logische wie
faszinierende Herausforderung, die ich mit grossem Engagement annehmen
werde.»
Gemäss Verwaltungsratspräsident Henning Boysen ist Rothwell der
beste aller Kandidaten, die für den CEO-Posten der Kuoni-Gruppe geprüft
wurden: «Wir sind sehr glücklich, mit Peter Rothwell einen absoluten
Branchenprofi an die Spitze von Kuoni zu verpflichten; er kennt Kuoni,
und seine langjährige internationale Erfahrung ist für die weitere
Entwicklung von Kuoni sehr wertvoll.»
Die Tatsache, dass mit Rothwell erstmals ein Nicht-Schweizer die
Chefposition von Kuoni innehaben wird, stellt für Boysen laut
«Sonntagszeitung» kein Problem dar. Erstens werde Rothwell seinen
Wohnsitz in die Schweiz verlegen, und zweitens generiere Kuoni über 80
Prozent des Umsatzes im Ausland. Ausserdem würden sich einige
Reisemärkte nicht von der Schweiz unterscheiden.
Das Hauptgeschäft von TUI richtet sich auf den Massenmarkt aus, während
sich Kuoni vorwiegend im Luxus-Segment ansiedelt. Reisen nach dem
Baustein-Prinzip, zumal im Bereich Dynamic Packaging, gehörten bisher
nicht zu den Kernaufgaben Rothwells.
Eine weitere Hürde, die der neue CEO überwinden muss, ist der
Erfolgsdruck. Ausgerechnet im Abgangsjahr von Armin Meier hat der
Kuoni-Konzern obwohl Kuoni Schweiz in den letzten Jahren laufend
Kunden verloren hat sehr gute Resultate verzeichnen können. Auch im
ersten Quartal verzeichnet der Konzern ein positives Ergebnis. Der
Druck auf den neuen CEO wird dadurch nicht kleiner, zumal es sich als
schwierig erweisen kann, nach einem guten Jahr erneut grosse
Zuwachsraten zu verzeichnen.
Simon Benz
