Fernbusse geben der Schweizer Carbranche Auftrieb (Ausgabe 2014-48)

Publicity für den Reisebus: An der Mitgliederversammlung von Car Tourisme Suisse wurden heisse Themen diskutiert.

So gross war das Interesse am Reisebus selten. Mit dem Fernbusboom, der aus Deutschland in grossen Wellen in die Schweiz schwappt, werden die Karten im Bereich Personenbeförderung derzeit neu gemischt. Zudem hatte der Schweizerische Nutzfahrzeugverband Astag im Oktober seinen recht offensiven «Masterplan Personenbeförderung» inklusive Forderung nach Aufhebung des nationalen ÖV-Monopols vorgelegt. Unter diesen Vorzeichen fand die Mitgliederversammlung der Astag-Fachgruppe Car Tourisme Suisse so viel Beachtung wie lange nicht. Rekordverdächtige 140 Teilnehmende und Gäste waren an den Jahresanlass nach Langenthal gekommen. Auch das Schweizer Fernsehen war dabei.

Eine «Prüfung ohne Scheuklappen» forderte Fachgruppen-Präsident Christophe Darbellay für den Astag-Vorschlag zur Liberalisierung des Bahnmonopols. Was in Deutschland und bald in Frankreich möglich sei, müsse auch in der Schweiz zumindest prüfenswert sein, so Darbellay. Einen politischen Vorstoss gebe es zwar noch keinen. Die derzeitige öffentliche Debatte habe aber bereits etwas ausgelöst. 

Schade findet Darbellay, dass allein das Thema Fernbusse auf so grosses Medieninteresse stosse. Beinhalte doch der Masterplan noch viele weitere Aspekte. Zum Beispiel die Forderung nach Mitbenutzung der Busspur für den Reisecar oder ein Terminalkonzept für die Schweiz, die mit ihren spärlich ausgestatteten «Schlammplätzen» bei ausländischen Busreisenden keinen guten Eindruck hinterlasse.  

Der Verband Astag nutzte die Versammlung, um auf sein Serviceangebot für die Carbranche aufmerksam zu machen. Dazu gehört neu die Möglichkeit, im Astag-eigenen TV-Studio einen kurzen Werbefilm fürs eigene Unternehmen oder ein Reiseziel produzieren zu lassen. «Eine gute PR-Möglichkeit, die man auf der Website einbinden oder im Car selbst vorführen kann», betonte Astag-Marketingleiter Daniel Moser. Zudem präsentierte er das neue Sujet der Werbekampagne «Der Car fährt überallhin». Ab Januar seien verschiedene Werbemittel wie Inserate, Plakate und Flyer bei der Astag bestellbar. 

Mit dem neuen Grossprojekt «Grand Tour of Switzerland» stiess Gastreferentin Maria Sägesser von Schweiz Tourismus auf unterschiedliche Resonanz. Nach dem Vorbild einer Route 66 wolle man eine 1600 Kilometer lange Route durch die Schweiz etablieren – für Selbstfahrer, aber teils auch für den Reisecar. Für eine gute Marketingidee hielten dies die einen, andere brachten ihre Befürchtung zum Ausdruck, man könne als Schweizer Carunternehmen und mit Schweizer Hotelpreisen kein konkurrenzfähiges Produkt lancieren. Als Antwort darauf erinnerte Präsident Darbellay an die Stärke der Fachgruppe: Zusammenhalt und gemeinsame Anstrengungen, wie es sie zum Beispiel auch zur Durchsetzung des Masterplans brauche. 

SG