Flughafen Zürich bleibt im Würgegriff (Ausgabe 2007-50)

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor des Luftfahrtmagazins «SKYNEWS.CH»

Das Resultat lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die
Stimmberechtigten des Kantons Zürich lehnen eine einschneidende
Beschränkung des Flugverkehrs ab, befürworten aber mit derselben
Deutlichkeit den «Zürcher Fluglärm Index – ZFI plus». Dieses relativ
komplexe Instrument lässt dem Flughafen zwar mehr Luft als eine
Plafonierung, zielt aber in die gleiche Richtung: Wenn die Bautätigkeit
rund um den Flughafen weiter anhält, dürfte der definierte Grenzwert
von belasteten Personen bald einmal erreicht sein. Dies würde dann zu
ähnlichen Einschränkungen wie eine Plafonierung führen.

Nachdem der Volkswille nun klar ist, gilt es den Flugverkehr in Zürich
nachfragegerecht (so will es auch der Bundesrat) und möglichst
anwohnerverträglich, sprich lärmkonzentriert, zu gestalten. Eine erste
Massnahme wäre die dringende Wiederaufnahme der Verhandlungen mit
Deutschland. Wenn der Flughafen Stuttgart laut von einer Parallelpiste
träumt und das Land Baden-Württemberg ebenso laut über eine
finanziel-le Beteiligung am Euroairport nachdenkt, sollte dieselbe
Re-gierung auch ein Interesse an einem gut funktionierenden
(Lufthansa-)Hub in Zürich haben. Zudem müssen mit dem Sachplan
Infrastruktur Luftfahrt jene Flächen um den Zürcher Airport definiert
werden, die nicht mehr überbaut werden dürfen. Die Fehler der
Vergangenheit können zwar nicht kor-rigiert werden, aber immerhin kann
für die Zukunft weiteres Ungemach verhindert werden. Nicht zu Unrecht
sagt der scheidende Direktor Josef Felder: «Zum Glück haben wir einen
Zaun um den Flughafen, sonst würde bis an die Pisten gebaut …»

Im Weiteren dürfen Starts über die Stadt Zürich kein Tabuthema mehr
sein. In Zürich braucht es kein Parallelpistensystem, sondern die
bestehenden Runways müssten optimal genutzt werden, sodass gleichzeitig
auf der Piste 14 gelandet und auf der Piste 16 gestartet werden kann –
so wie es weltweit auf vielen anderen Flughäfen auch möglich ist. Doch
bis dorthin ist es noch ein weiter Weg. Denn vorläufig bleibt der
Flughafen Zürich im politischen Würgegriff.