Fünf Verbände kämpfen vereint gegen Swiss und Lufthansa (Ausgabe 2008-06)

Auch der SRV rät seinen Mitgliedern dringend, den Vertrag für sogenannte Preferred Fares nicht zu unterzeichnen.

Letzte Woche fand sich eine Delegation des Schweizerischen
Reisebüro-Verbandes (SRV) mit Hans-Jörg Leuzinger, Marcel Hausheer,
Walter Ruggli und Walter Kunz zu Gesprächen mit den deutschen und
österreichischen Kollegen am Flughafen in Frankfurt ein. Thema dieser
von allen Seiten gewünschten und kurzfristig einberaumten Konferenz war
das gemeinsame Vorgehen gegen die «inakzeptable neue Tarifstruktur der
Swiss und der Lufthansa».

Fünf Verbände haben danach eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Dabei
sind neben dem SRV der Deutsche Reiseverband (DRV), der Österreichische
Reisebüroverband (ÖRV), der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) und
der Verband Internet Reisevertrieb (VIR). In der «Verbändeerklärung»
raten die fünf Verbände ihren Mitgliedern dringend, den von Lufthansa
und Swiss in Aussicht gestellten Vertrag zum Vorzugspreismodell nicht
zu unterzeichnen. Es geht dabei um die neue Distributionsstruktur mit
Preferred Fares und einer Gebühr von acht Franken bei Buchungen via GDS
(Galileo, Amadeus, Sabre, Worldspan).

Die Branchenverbände bewerten den Begriff «Preferred Fares» oder
«Vorzugspreis» als irreführend, da die geplanten Preise tatsächlich für
Firmenkunden und Verbraucher deutlich erhöht würden. Der Modellentwurf
von Swiss und Lufthansa werde drei Anforderungen nicht gerecht:
Chancengleichheit im Wettbewerb zwischen Fremdvertrieb und
Eigenvertrieb; optimale Buchungs-, Abwicklungs- und
Abrechnungsprozesse; verursachergerechte Zuordnung der Kosten.

Die beiden Airlines hatten sich durch die Ankündigung erhofft, dass die
Reisebüros ihrerseits Druck auf die GDS ausüben. Das lehnen die
Verbände aber entschieden ab. Swiss und Lufthansa müssen direkt mit den
GDS verhandeln, meinen sie. Es sei aus Wettbewerbsgesichtspunkten
ausgeschlossen, dass die Reisebüros für einen Leistungsträger Druck auf
einzelne GDS-Anbieter ausüben, weil dies einem marktwirtschaftlichen
Tabubruch gleichkomme.

In einem Agent Newsletter hat Swiss vor drei Tagen am Modell der
Preferred Fares festgehalten. Umfangreiche Unterlagen und einen
Frage-Antwort-Katalog gibt es unter agent. swiss.com.   

 
Chris Probst

Podiumsdiskussion

Vorgestern Mittwoch fand in der Kartause Ittingen (TG) im Rahmen
eines internen Vertriebsanlasses von Swiss/Lufthansa eine
Podiumsdiskussion zu den Preferred Fares statt – allerdings leider
unter Ausschluss der Branchenöffentlichkeit.

CP

Die Task Force des SRV

Kurz nach dem Bekanntwerden der Pläne von Swiss und Lufthansa hat der SRV die
Bildung einer Task Force bekannt gegeben. Folgende Vertreter haben dort Einsitz:

Beat Bürer (Managing Director HRG Switzerland)
Marcel Hausheer (Leiter Kompetenzzentrum Flug SRV)
Marcel Herter (Chef Broker Migros Travel Switzerland)
Walter Kunz (Geschäftsführer SRV)
Hans-Jörg Leuzinger (Präsident SRV)
Walter Ruggli (Country Manager Carlson Wagonlit Travel)
Reto Tobler (Inhaber Reiseforum Meilen)   

CP