Am vergangenen Dienstag trafen sich erstmals seit Bekanntgabe der neuen
Distributionsstrukturen («Vorzugspreise» und GDS-Gebühren) von Swiss
und Lufthansa Vertreter des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes (SRV)
und Swiss zu einem offiziellen Gespräch. Für den SRV sassen Präsident
Hans-Jörg Leuzinger und Geschäftsführer Walter Kunz am Tisch, bei Swiss
waren es Harry Hohmeister, Chief Network & Distribution Officer,
und Rudolf Schumacher, Head of Sales & Marketing Switzerland.
«Nach einer auch von unserer Seite eher kühlen Begrüssung wurden
die Standpunkte klar dargelegt. Die Position des SRV ist absolut
unverändert wenn etwas glasklar ist, dann unsere Position. Wir haben
der Swiss auch gesagt, dass das angekündigte Online-Agentenportal der
Swiss keine Lösung ist. Daneben wurden auch ein paar andere,
persönliche Aspekte, beispielsweise die Kommunikation, besprochen. In
dieser Hinsicht haben wir einen Konsens gefunden», so Leuzinger.
Der SRV-Präsident fühlt sich gestützt durch die KMU der Reisebranche,
wobei er auch Firmen wie Kuoni oder Hotelplan dazu zählt. «Ich will
unbedingt eine Lösung anstreben, wobei diese
sicher nicht sein kann, dass die Mehrkosten und der Mehraufwand von den KMU getragen werden müssen», meint er gegenüber TI.
An eine rein schweizerische Lösung glaubt Leuzinger nicht: «Es muss
eine Gesamtlösung zusammen mit unseren Nachbarländern geben. Die
Entscheide werden ja nicht in der Schweiz gefällt. Im Vorfeld des
Ländertreffens von nächster Woche haben wir aber unsere Position klar
bezogen.» Das Treffen mit Vertretern von Lufthansa und Swiss sowie
Vertretern der Branchenverbände aus der Schweiz, aus Deutschland und
Österreich findet nun Anfang nächster Woche in Frankfurt statt. Bis vor
Kurzem war noch nicht sicher, ob die Verbände überhaupt an diesem
Gespräch teilnehmen, weil sie befürchteten, dass lediglich das Modell
erklärt werden soll. Der SRV wird durch Präsident Leuzinger und Marcel
Hausheer, Leiter Kompetenzzentrum Flug, vertreten sein. Für Swiss
begeben sich Harry Hohmeister und Rudolf Schumacher nach Deutschland.
Leuzinger denkt zwar nicht, dass zurzeit eine andere als die von
Swiss/Lufthansa bereits vorgeschlagene Lösung auf dem Tisch ist,
allerdings glaubt er zu spüren, dass Swiss und Lufthansa gemerkt haben,
dass nicht in allen Bereichen optimal gehandelt und kommuniziert wurde.
Nach wie vor nicht überzeugt ist er von der Haltung der GDS: «Mir fehlt
immer noch der Nachweis, dass die GDS und die Airlines wirklich
ernsthaft verhandeln. Betrachtet man die diametral auseinanderliegenden
Aussagen dieser beiden Seiten, muss man zum Schluss kommen, dass
irgendjemand lügt. Wir werden den Druck aufrechterhalten.»
Swiss wollte gegenüber TRAVEL INSIDE das Gespräch mit dem SRV nicht
weiter kommentieren. «Das Treffen und damit ein Austausch zwischen dem
SRV und Swiss hat heute Morgen wie geplant stattgefunden», so
Schumacher.
Chris Probst
SRV-Präsident ruft zum Protest auf
In einem Schreiben an die SRV-Mitglieder hat Hans-Jörg Leuzinger
einmal mehr klar Stellung bezogen, das Vorzugspreis-Modell als
«Mogelpackung erster Güte» und die Rolle der GDS als fragwürdig
bezeichnet. Der SRV-Präsident fordert seine Mitglieder auf, gegen das
neue Vertriebsmodell von Swiss und Lufthansa zu protestieren,
allerdings ist es ihm ein Anliegen, dass sachlich opponiert wird. «Es
nützt wenig bis gar nichts, wenn die Reisebüros in der ganzen Schweiz
die Faust im Sack machen», meint Leuzinger. In der Zwischenzeit sind
bei TI diverse Leserbriefe zum Thema eingetroffen (siehe Seiten 3 und 4
in dieser Ausgabe).
CP
Wie ist die Position der Geschäftsreisen-Firmen?
Die Travel Management Companies (TMC) sind Grosskunden der Airlines, aber auch der GDS.
Obwohl von den TMC wenigstens offiziell nicht die kämpferischsten
Töne der Branche zu hören sind, unterscheiden sich deren Standpunkte
nicht wesentlich von der Meinung der KMU im Leisure-Bereich, wie ein
Bericht im aktuellen «travel manager» aufzeigt.
Beat Bürer (HRG) meint zum Beispiel: «Es ist für mich unklar, weshalb
ein Problem zwischen zwei Vertragspartnern auf dem Buckel Dritter,
nämlich der Reisebüros und TMC, ausgetragen werden soll.» Und Gerry
Schenk (American Express) sagt gegenüber dem «travel manager»: «Die
ganze Sache wurde sehr unprofessionell aufgegleist und ist für alle
äusserst bemühend.»
Die TMC, bei denen der Fluganteil am Umsatz mit 85 bis 90%
überdurchschnittlich hoch ist, sind Grosskunden der Fluggesellschaften,
aber auch der GDS. Deshalb ist ihre Haltung im Streit um die
GDS-Gebühren von entscheidender Bedeutung. Diese Grosskunden dürften
unter dem Strich zudem besonders von den Incentives, die sie von den
GDS erhalten, profitieren.
CP
