Noch selten hat ein Airline-Problem die Reisebranche so beschäftigt wie
die geplanten GDS-Gebühren und die Preferred Fares von Swiss (LX) und
Lufthansa (LH).
Es begann am 17. Januar 2008 mit einer kurzfristigen Orientierung von
Swiss und Lufthansa in Kloten: Per 1. Oktober 2008 will LX eine neue
Distributionsstruktur im Tarifwesen einführen, um die Vertriebskosten
im Bereich GDS zu senken. Im Zentrum stehen dabei drei Punkte:
Alle bisherigen Tarife werden um 25 Franken (Oneway) beziehungsweise 50
Franken (Retour) angehoben. Die bisher gültigen Tarife heissen neu
«Preferred Fares». Bei Buchung dieser Tarife über eines der GDS
(Galileo, Amadeus, Sabre, Worldspan) fallen acht Franken Gebühren pro
Segment an.
Den Reisebüros soll mit einem Online Agentenportal die Möglichkeit
geschaffen werden, die neuen Preferred Fares ohne zusätzliche Gebühren
buchen zu können. Von Beginn weg hat der Schweizerische
Reisebüro-Verband (SRV) dieses Modell strikte zurückgewiesen. Auch
andere Verbände in Deutschland und Österreich (in diesen beiden Ländern
sollen die Preferred Fares bereits per 1. Juli 2008 eingeführt werden)
wehren sich. In einer gemeinsamen Erklärung haben fünf Verbände
aus den drei Ländern ihren Mitgliedern empfohlen, den neuen Vertrag der
Airlines nicht zu unterzeichnen. Zudem hat der SRV kurz nach
Bekanntwerden der Pläne von LX und LH eine Task Force eingesetzt, die
sich mit dem Thema beschäftigt.
Die Reisebranche ist sich seither ungewohnt einig. Viele
Reisebüro-Vertreter geben sich sehr kämpferisch und fordern Boykott,
Shifting oder das Anrichten eines Chaos durch Buchung von fiktiven
Flügen und deren Annullierung nach einigen Tagen. In unzähligen
Leserbriefen unterstreichen die Reisebüro-Vertreter seither ihre
ablehnende Haltung gegenüber den Preferred Fares und den GDS-Gebühren.
Die Diskussionen werden nach wie vor sehr emotional geführt. Die
Reisebüros sehen sich nicht mehr als Partner von Swiss und Lufthansa.
In den vergangenen Wochen fanden verschiedene Gespräche zwischen den
Parteien statt. In der Schweiz hat der SRV die Einladung der Swiss zu
einem Gespräch Ende Februar angenommen. Dieses Gespräch führte genauso
wenig zu einer Lösung wie das Ländertreffen zwischen den fünf
involvierten Verbänden in der Schweiz, Deutschland und Österreich mit
Lufthansa und Swiss in Frankfurt, von dem die SRV-Delegation enttäuscht
zurückkam.
Eine erste konkrete Protestmassnahme des SRV war der Rausschmiss der
beiden Airlines als Prioritätspartner der lancierten SRV-Werbekampagne.
Weitere Kampfmassnahmen sollen folgen; die Task Force wird in der
kommenden Woche neue Vorschläge ausarbeiten.
Weiterhin unklar ist die effektive Entwicklung der Segmentgebühren,
welche die Airlines den GDS zu entrichten haben. Während Swiss und
Lufthansa von gestiegenen Segmentkosten sprechen, sagen die
GDS-Vertreter, die Segmentkosten seien in den vergangenen Jahren
gesunken.
Chris Probst
