Vor 30 Jahren gab es eine besondere Premiere in der Geschichte des französischen Hochgeschwindigkeitszugs. Am 19. Januar 1984 fuhr der TGV erstmals eine längere Strecke auf einem fremden Schienennetz. Die Linie LausanneParis war eröffnet. Seitdem verbindet die Schweizer und die französische Bahn eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung, die bis heute anhält. Beispiel 2013: Von insgesamt 5,9 Millionen TGV-Passagieren fuhren rund drei Millionen zwischen Frankreich und der Schweiz ab Lausanne, Genf und von Zürich über Basel und Strassburg nach Paris Gare de Lyon.
Seit dem Jahr 2002 kümmert sich die französisch-schweizerische Betreibergesellschaft TGV Lyria um den Vertrieb des Schnellzuges. Eines der Erfolgsrezepte des gemeinsamen Tochterunternehmens von SNCF (Anteil 74%) und SBB (Anteil 26%) ist laut TGV-Lyria-Direktor Alain Barbey: «Trotz der fruchtbaren Kooperation bleiben beide Teilhaber autonom und sind für ihren jeweiligen Markt selbst verantwortlich.» Dieses Konzept gehe auf.
Gemeinsam im Blick hat man bei TGV Lyria die Airline-Konkurrenz. «Vor allem die Billigfluggesellschaften zeigen eine enorme Präsenz im Markt», sagt Barbey. So werden die Bahnanbieter nicht müde, die Vorteile des TGV zu bewerben: Von Zürich ins Zentrum von Paris geht es in vier Stunden, ab einem Preis von CHF 31, in der ersten Klasse ab CHF 73. Ab Basel dauert die Fahrt sogar nur drei Stunden. Die Bahnhöfe liegen im Stadtzentrum, ein Check-in-Prozedere und Gepäckbeschränkungen gibt es keine, im Zug lässt sich gut arbeiten, lesen, essen, in der ersten Klasse gibt es das Menü am Platz. Um konkurrenzfähiger zu werden, sollen die TGV-Fahrten künftig zudem sechs statt bisher nur drei Monate vor der Abreise buchbar sein.
Laut Barbey wird auch das 2013 eingeführte Tarifsystem von den Kunden sehr gut angenommen: Lyria-Flex für Businessreisende, Semi-Flex für Freizeitreisende und Non-Flex für Spontane, die sich ab Buchung auf einen bestimmten Zug festlegen.
Die Marktanteile des TGV gegenüber den Airlines sind auf den verschiedenen Strecken je nach Angebot unterschiedlich. Auf der Achse GenfParis liege man derzeit bei rund 55%, so Barbey. Bauarbeiten und Streiks hätten hier im Jahr 2014 zu erheblichen Einbussen geführt. Auf der Linie BaselParis erwartet er bis Ende 2014 einen Marktanteil von 75%. Die Verbindung ab Zürich biete mit 34% noch das grösste Potenzial. Hier muss sogar gestrichen werden. Der 9:34-h-Zug am Sonntag ab Zürich sowie die 14:23-h-Verbindung samstags ab Paris gibt es aufgrund der niedrigen Nachfrage künftig nicht mehr. Im Jahr 2014 reisten bislang rund 600000 Personen mit dem TGV auf der Achse Zürich/BaselParis. Zwischen Bern und Paris waren es 83000.
Das neueste TGV-Lyria-Projekt ist die Strecke von Genf nach Lille über Eurodisney, die am 14. Dezember in Betrieb geht. Hiermit soll der Norden Frankreichs für TGV-Gäste attraktiv werden. Und nicht nur das. Durch die Verbindung geht es von Genf nach London in 6:30h zu einem Preis ab CHF 84.
SG
