Haben die GDS den Angriff durch alternative Modelle abgewehrt? (Ausgabe 2007-42)

Global New Entrants (GNE) wollten den traditionellen GDS das Leben schwer machen.

In den letzten Monaten haben die Globalen Distributionssysteme (GDS) noch härtere Verhandlungen mit den Airlines über Distributionskosten und Content geführt als früher. Nicht zuletzt, weil die Airlines den GDS gedroht haben, ihre Flüge über günstigere Global New Entrants (GNE) vertreiben zu wollen. GDS-Kenner bezweifelten allerdings immer, dass die GNE wirklich globale Systeme werden können.

Es sieht ganz so aus, dass die Zweifler Recht hatten, denn die Vertreter der GDS schauen positiv in die Zukunft. Volker Fiegen, Director Corporate Sales Central & Eastern Europe von Sabre, ist überzeugt: «Der GNE-Hype ist praktisch tot. Man hört eigentlich nichts mehr von diesen globalen Alternativen. Für die Airlines war die Ankündigung von GNE höchstens wichtig als Druckmittel in den Verhandlungen mit den GDS. Global gesehen gibt es keine echte alternative Distributionsmodelle, höchstens für gewisse Airlines in ihren Heimmärkten. Alternative Modelle werden immer nur Nischenanbieter sein.»

Chris Dorner, Country Manager Switzerland von Galileo, sieht das ähnlich: «Der Wind hat wieder gedreht, und es hat auch wieder die Vernunft eingesetzt. Die Airlines fokussieren nicht mehr gleich stark auf ihr ‹Feindbild› GDS, welches in Europa durchschnittlich rund 70–80% ihrer Verkäufe abdeckt. Mit vielen unserer Partner haben wir uns geeinigt. Sicherlich treiben die Marktbedürfnisse weitere Aktivitäten im Direktvertrieb voran, wir sind jedoch – unter anderem bei Air Canada oder Jet Blue, welche ihr Internet-Angebot neu über das Galileo-GDS vertreiben – an vorderster Front dabei, um unsere Kunden auf beiden Seiten zu unterstützen. Es gibt schliesslich, allen Unkenrufen zum Trotz, keinen effizienteren Vertriebsweg als ein GDS, und die Reisebürogemeinschaft zeigt nach wie vor Stärke und Präsenz.»

Cornel Küng, General Manager Amadeus Switzerland, ist ebenfalls zuversichtlich: «Den grundsätzlichen Druck zu leugnen, wäre Augenwischerei. Die Prognosen gewisser Exponenten, die GNE würden den GDS den Garaus machen, sind jedoch definitiv nicht eingetroffen. Sowohl ITA Software wie auch G2 Switchworks konnten keine signifikanten Volumina abziehen und haben sich heute anders ausgerichtet. Ebensowenig scheinen bis anhin die Portallösungen der Airlines – zum Beispiel das Corporate Portal von American Airlines oder das ACAP (Alternative Content Access Programme)  der Lufthansa – von Erfolg gekrönt.»

In den GDS können auch Hotels und Mietwagen gebucht werden. Wie sieht es dort aus? Küng: «Hinsichtlich der Hotelbuchungen sieht es anders aus. Die Online-Hotelportale treten sehr aktiv im Markt auf und versuchen sich im B2B-Markt zu etablieren – zum Teil auch sehr erfolgreich. Aber nichtsdestotrotz verbuchen wir steigende Zahlen für Hotelbuchungen im GDS, denn die Reisebüros schätzen nach wie vor die volle Integration im PNR. Auch weltweit zeigt sich der Trend zu vermehrten Hotelbuchungen im GDS. Im Bereich Mietwagen werden laufend neue Modelle entwickelt, um GDS-Buchungen zu umgehen. Dies beflügelt uns in der Angebotserweiterung wie auch der Produktentwicklung, um auch hier die Vorteile des ‹One-stop-shops› und der vollen Integration nutzbar zu machen.»

Chris Probst