Weil sich Amadeus und Swiss/Lufthansa bisher über die Senkung der
GDS-Kosten nicht einigen konnten und sich eine Einigung auch nicht
abzeichnet, übernimmt Amadeus bis mindestens Ende 2008 die acht Franken
Gebühren pro gebuchtes Segment, die den Reisebüros von LX und LH bei
Buchung über Amadeus ab 1. Oktober (Deutschland und Österreich bereits
seit 1. Juli) verrechnet werden. Amadeus will diese
Kompensationsleistungen von Lufthansa und Swiss zurückfordern.
In einem Schreiben an seine Kunden schlägt Cornel Küng, General Manager
Amadeus Schweiz, harte Töne an. Einmal mehr betont Küng, dass die
Buchungsgebühren, welche die Airlines zu bezahlen haben, weniger als
acht Franken betragen. «Mit der Entscheidung von Lufthansa, den
GDS-Aufschlag für Sabre und Travelport entfallen zu lassen, wurde das
Vorzugspreismodell zu einem Instrument, den GDS-Markt zu manipulieren.
Damit führt der Aufschlag zu einer Diskriminierung von Amadeus und
schädigt jene Reisebüros, die sich für die Nutzung von Amadeus
entschieden haben», schreibt er. Weiter heisst es in diesem Schreiben,
LH und LX seien nicht bereit gewesen zu verhandeln. Amadeus habe
rechtliche Schritte gegen die beiden Airlines eingeleitet.
Eine Stellungnahme der Swiss blieb nicht aus. Swiss bezahle an Amadeus
mehr als acht Franken pro Segment. Die Aussage, dass dem nicht so sei,
bezeichnet Harry Hohmeister, Chief Network & Distribution Officer
Swiss, als «unhaltbare Unterstellung, die wir als geschäftsschädigend
empfinden».
Auch der Vorwurf von Küng, LH und LX seien nicht bereit gewesen zu
verhandeln, weist Hohmeister vehement zurück: «Swiss war und ist immer
noch offen für Verhandlungen, wie die Einigungen mit Sabre und
Travelport bewiesen haben. Leider sind Einladungen unsererseits von
Amadeus ausgeschlagen worden, respektive wurden wir an Amadeus Madrid
verwiesen.» Swiss habe sich jederzeit vertragskonform gegenüber Amadeus
verhalten.
Thomas Meier (Kontiki-Saga) ist als Amadeus-User froh, dass
GDS-Gebühren vorläufig von Amadeus übernommen werden: «Ich bin in
meiner Ansicht bekräftigt, dass wir als Amadeus-User auch nach dem 1.
Oktober keine Schlechterstellung haben werden. Die kurzfristige
Übernahme der GDS-Gebühren durch Amadeus ist eine mögliche Lösung.
Sicher nicht die beste und vor allem auch keine langfristig sinnvolle.»
Auf die Frage, ob die Abläufe dadurch nicht noch komplizierter werden,
meint Meier: «Der Ursprung der Verkomplizierung liegt bei der
einseitigen Ankündigung von LH/LX im Januar 2008. Wenn sich Airlines
und GDS nicht einig sind über Gebühren, gibt es keinen Grund, die User
der GDS in dieses Problem unmittelbar und direkt mit hineinzuziehen.
Allenfalls kann, nachdem Airlines und GDS eine Lösung gefunden haben,
anschliessend das Vertragsverhältnis zwischen GDS und Usern überprüft
und verändert werden. Wir als User sind jedoch weder Spielball noch
Druckmittel.»
Chris Probst
