Ankündigungen über Treibstoffzuschläge sind in der Airline-Branche an
der Tagesordnung. Die steigenden Benzinpreise betreffen aber auch die
Busunternehmen.
Für Jean-Richard Salamin, Bereichsleiter Personentransport der ASTAG,
ist klar, dass die höheren Kosten von den Unternehmen weder getragen
werden können noch müssen: «Vor allem Pauschalreisen sind davon
betroffen. Wichtig ist nun, dass alle Unternehmen ihre Preise anpassen.
Ein Streik ist für uns keine Lösung.» Die momentane Situation stelle
aber auch eine Chance für die Carbranche dar, da künftig viele
Selbstfahrer auf Reisen im Car ausweichen könnten.
Die Carreiseunternehmen wälzen die Treibstofferhöhungen auf
unterschiedliche Weise auf ihre Kunden ab. «In unseren neuen Katalogen
werden die Treibstoffzuschläge bereits in den Preisen inbegriffen sein.
Sollte der Benzinpreis nicht noch drastisch ansteigen, werden wir es
dabei belassen», sagt Twerenbold-Inhaber und Verwaltungsratspräsident
Werner Twerenbold.
«Die Kunden von Eurobus wurden von uns bereits über die Zusatzkosten
von 10 bis 16 Franken pro Person in Kenntnis gesetzt und reagierten
verständnisvoll», sagt Claudio Zortea, Leiter Pauschalreisen von
Eurobus. «Das Problem ist in der Öffentlichkeit bekannt und unsere
Kunden sind auch privat von den steigenden Treibstoffpreisen betroffen.
Im Vergleich zum Verbrauch eines PWs, ist der Verbrauch eines
Reisebusses mit 50 Personen an Bord relativ gering», so Zortea.
«Uns betreffen die hohen Treibstoffpreise in vergleichbarer Weise wie
die Fluggesellschaften», sagt Heinrich Marti, Geschäftsleiter der Ernst
Marti AG. Aus diesem Grund wurden die Buchungen neue wie auch
bestehende mit Treibstoffzuschlägen zwischen acht bis zehn Franken
pro Person belastet. «Die zusätzlichen Gebühren decken unsere
Mehrkosten, die heute im Vergleich zur Kalkulation vom November 2007
anfallen. Falls die Preise weiter steigen, müssen wir wieder über die
Bücher.» Marti stört sich vor allem an der Tatsache, dass Diesel teurer
besteuert wird als Benzin und dass die Busunternehmen
Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgaben (LSVA) entrichten müssen. «Das
sind zwei Ansatzpunkte, derer sich die Politik einmal annehmen könnte»,
sagt Marti.
Die Treibstoffproblematik betrifft aber auch kleinere
Busreiseunternehmen wie die Firma Gast AG Utzenstorf mit ihren fünf
Reisecars. Daniel Gast, Mitglied der Geschäftsleitung, informierte die
Kundschaft schriftlich über die Treibstoffzuschläge von zwischen 13 und
17 Franken pro Person.
«Die Kunden haben positiv auf unser Schreiben reagiert», sagt Gast.
«Unsere Marge ist ohnehin schon klein, da schmerzt jeder fehlende
Franken. Wäre die heutige Situation aber eine wirkliche
Existenzbedrohung, dann hätten wir schon vorher einen grossen Fehler
gemacht.» Für Gast verursachen die hohen Treibstoffkosten aber auch
Vorteile. Als Spezialist für Konzertfahrten stellte er fest, dass die
Konzertgänger den Reisebus heutzutage vermehrt als Alternative zum
eigenen Auto in Betracht ziehen.
Simon Benz
