Hotelplan bündelt Schweizer Kräfte unter «M-Travel Switzerland AG» (Ausgabe 2008-07)

CEO Thomas Stirnimann gibt Gas: Seine radikale Umkrempelung der Hotelplan Schweiz AG und Travelhouse AG nimmt konkrete Formen an.

Ganz überraschend kommt die Ankündigung nicht: Der freie Platz im
«Glaspalast» zu Glattbrugg wird mit dem gesamten Personal von Esco (ab
April, nach 55 Jahren in Basel) und Travelhouse (ab Herbst, nach 27
Jahren in Zürich) ausgefüllt. Ob es noch dieselben Leute sind, die
zurzeit dort arbeiten, wird sich in den nächsten Wochen zeigen – auf
jeden Fall haben alle ein Angebot für eine Stelle in Glattbrugg
erhalten.

CEO Thomas Stirnimann geht davon aus, dass wahrscheinlich nicht alle
Mitarbeitenden den Standortwechsel mitmachen: «Es kann sein, dass nicht
alle Abgänge kompensiert werden. Langfristig wollen wir aber wachsen,
und es wird im Bereich Value neue Jobs geben, sobald die Struktur
gefestigt ist.» Von Travelhouse sollten gegen 200 Personen und von Esco
rund 40 Personen nach Glattbrugg zügeln.

Das Ziel der Zusammenführung ist klar: Die geografische Nähe soll eine
bessere Synergienutzung ermöglichen. Dazu CEO Thomas Stirnimann: «Es
gab bisher Bereiche mit unnötigen Parallelstrukturen, etwa den Bereich
Esco und das Midhaul bei Hotelplan. Nun wird alles in Glattbrugg neu
geordnet. Damit werden Redundanzen ausgesondert, dafür kann Esco auch
wieder auf der Langstrecke aktiv werden.»

Eher überraschend ist die neuerliche Umbenennung von Migros Travel
Switzerland in M-Travel Switzerland. Unter diesem Namen sind künftig
alle Marken subsumiert. Mit der Günstigmarke M-Travel habe dies nichts
zu tun: «Der Name M-Travel deutet genügend auf die Zugehörigkeit zur
Migros-Gruppe hin. Wir treten damit ohnehin nicht gegen aussen auf, da
es sich ja nur um eine Management-Struktur handelt, sodass keine
Verwechslungsgefahr mit der Günstigmarke besteht», sagt Stirnimann.
Trotzdem soll aus der Hotelplan Schweiz AG die M-Travel Switzerland AG
werden, in welche wohl die Travelhouse AG fusioniert wird. Darüber wird
es weiterhin die Hotelplan Holding AG als Dach der Gruppe geben.

Diese Reorganisation unter einem Dach hat auch im Management personelle
Konsequenzen. Der Bereich «Value» unter Roberto Luna – darin sind die
Marken Hotelplan, Esco und Tourisme Pour Tous (TPT) integriert – wurde
bereits reorganisiert. Gegenüber dem bisherigen Organigramm im Bereich
Touroperating gibt es mehrere einschneidende Änderungen.
Die Marke M-Travel wird komplett herausgelöst werden und ist dann neu
im Bereich «Budget» unter Walter Brüllhardt angesiedelt. Dasselbe gilt
für die Marke Easy, die bisher im Bereich Midhaul bei Andrea
Rutishauser war.

Ob die erst dreijährige Marke überhaupt weitergeführt wird, steht noch
in den Sternen. Dazu Stirnimann: «Das Produkt wird weitergeführt; unter
welcher Marke, werden wir noch entscheiden. Sicher ist aber, dass der
Standort Lörrach aufgegeben wird.» Das auf deutschem Boden nahe Basel
liegende Call Center wird also ebenfalls nach Glattbrugg verlegt. Die
endgültige Organisation im Bereich «Budget» steht noch aus (siehe Box
rechts unten).

Den Bereich «Special Interest» gibt es nicht mehr. Neu heisst die
Einheit «Europa» und ist Sandro Schaaf (bisher im Business Development
Longhaul) unterstellt. Er wollte laut eigenen Aussagen im Touroperating
bleiben und kann nun ein gefestigtes Team und ein ausgeglichenes
Portfolio übernehmen. Dazu gehören die Bereiche Städtereisen, Autoplan,
Bahnreisen, Themenparks und Ferien im Schnee. Der vormalige Leiter
Special Interest, Peter Plan, geht in den Agentenvertrieb.

Wegen mangelnder Rendite und Redundanzen wird die Abteilung
Themenreisen (bisher bei Special Interest) aufgegeben. Für die
betroffenen Mitarbeitenden werden intern Stellen gesucht. Was mit dem
designierten Leiter Robert Eschmann passiert, der aus Bangkok
zurückkehrt, ist noch unklar. «Mit ihm wird das Gespräch gesucht, wie
mit allen anderen auch», erklärt Thomas Stirnimann.

Schiffsreisen (bisher auch Special Interest) wurden zu einem eigenen
Bereich, der direkt Roberto Luna unterstellt ist; die Verantwortung
dafür hat Rebekka Witschi. Aus dem Flightshop (bisher Special Interest)
ist neu ebenfalls ein eigener, direkt Roberto Luna unterstellter
Bereich geworden. Geführt wird er von Bruno Gutmann.

Globus Reisen wurde wie bereits angekündigt in den Bereich «Premium/
Specialists», wo auch die Travelhouse-Veranstalter angesiedelt sind,
überführt. Urs Freudiger, Leiter Globus Reisen, hat das Unternehmen am
letzten Mittwoch verlassen. Ob er ersetzt wird, ist noch offen:
Vorläufig wird sich Rolf Bühler (Leiter Touroperating Travelhouse) um
die Marke kümmern.

Weiterer Einschnitt: Die Manager im Bereich «Business Development» gibt
es nicht mehr. Sandro Schaaf ist wie gesehen Ressortleiter «Europa»;
René Donno übernimmt den Stabsbereich «Charter», und Modestino Capolupo
hat bei Tourisme Pour Tous (TPT) ad interim die Geschäftsleitung
übernommen – der bisherige Chef Marco Baiguini musste  nämlich
gehen.

Zur Abschaffung dieser Posten erklärt Stirnimann: «Business Development
ist eine Management-Aufgabe, welche jedem Ressortleiter obliegt.» Wobei
dies nur die Bereiche Strategie, Planung, Pricing und Budget umfasst.
Die Chargen Flugeinkauf und Yield sind im Ressort Charter angegliedert.
Thomas Stirnimann präzisiert: «Die Flugplanung wird in der
Geschäftsleitung und aufgrund der Bedürfnisanmeldungen der 
Ressortleiter koordiniert. Die Ausführung der Entscheide obliegt dann
dem Ressortleiter Charter, René Donno.»

Die «Bisherigen» Andrea Rutishauser (Badeferien) und Daniel Oetterli
(Fernreisen) bleiben an Bord: Rutishauser mit grösseren Chargen,
Oetterli mit fokussiertem Pensum – er muss sich nicht mehr um
Sonderaktionen und Charter kümmern.

Auch im Bereich Marketing & Distribution unter Silvana Ripa gibt es
neue Posten und Personen: Sandra Bär (Brand Management Advertising; war
bisher bei Travelhouse), Heidi Herzog (Marketing Services
Touroperating; war bisher bei Esco), Beni Zumsteg (CRM), Peter Plan
(Agent Sales) sowie Marcel Krebs (Publishing).

Weitere Ressortleiter sind Antoine Commet (Translations; kümmert sich
um die mehrsprachige Verfassung von Katalogen und anderweitigen
Produkten) und Franco Muff (Customer Care). Noch vakant ist ein Posten
mit der Bezeichnung «Projects».
Der bisherige Leiter Agentenvertrieb, Beat Röthlisberger, scheidet aus:
Er verlässt heute «in gegenseitigem Einvernehmen» nach über 20
Dienstjahren das Unternehmen.

Alles in allem sollen die Teams innerhalb der einzelnen Bereiche bis
zum 31. März definiert sein. Und bis im August will Stirnimann seine
derzeit elf Teilprojekte – darunter sind Pro-jekte in den Bereichen
Umzug, Human Resources, Technologie, Internet und mehr – abgeschlossen
haben: «Die neue Organisation und die Zuordnung der Zuständigkeiten
muss klar sein, sodass die neue Struktur ab der Produktion Winter
2008/09 voll greift.»

CEO Thomas Stirnimann hält unmissverständlich fest, dass es bei
M-Travel Switzerland auch künftig Bereiche mit Parallelstrukturen geben
wird: «Beispielsweise für Nordamerika wird es weiter getrennte
Produktionen bei Hotelplan und Skytours geben, die beiden Unternehmen
agieren also als Kollegen und Konkurrenten zugleich. Sie unterscheiden
sich durch eine leicht andere Positionierung.»

Jean-Claude Raemy

Schon einige Abgänge

Die Reorganisation bei Hotelplan Schweiz hat schon zu einigen Abgängen geführt. Bereits nicht mehr im Unternehmen sind:
• Marco Baiguini (Tourisme Pour Tous)
• Thomas Christen (Marketing)
• Urs Freudiger (Globus Reisen)
• Beat Röthlisberger (Agent Sales)
• Mario Zosso (Special Interest)
Bei weiteren Personen stehen noch Diskussionen an. Auch die Zukunft von
Ex-CEO Peter Spring ist noch offen: Dass er die ihm angebotene Stelle
auf Gruppenebene annimmt, ist aber zweifelhaft. 

Wie weiter in der Romandie?

Die Präsenz der Hotelplan Group in der Romandie bleibt bestehen.
Aus sprachlichen und kulturellen Gründen behält Tourisme Pour Tous
(TPT) den Sitz in Lausanne. Das französischsprachige
Travelhouse-Touroperating wird hingegen von Genf nach Lausanne in die
Räumlichkeiten von TPT verlegt. John Albanis, Leiter von Travelhouse in
Genf, macht den Umzug nach Lausanne mit.

«Mythos» ersetzt «Davinci»

Eine Konsequenz der Reorganisation betrifft den Bereich
Technologie: Travelhouse lässt das Projekt mit der TO-Anwendung
«Davinci» von Bewotec fallen. Dessen verzögerte Implementierung, was zu
einer faktischen Nicht-Buchbarkeit von Travelhouse-Produkten führte,
war laut Thomas Stirnimann hauptverantwortlich für das durchzogene,
aber nicht näher bezifferte Geschäftsergebnis der Spezialisten-Gruppe
im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07. Per 1. November wird auch die
Travelhouse-Gruppe auf dem seit 2004 bewährten Reservations- und
TO-System «Mythos» von Hotelplan arbeiten. Der Vorteil gemäss Thomas
Stirnimann: «Der Skaleneffekt, den Travelhouse auch beiträgt, tut der
ganzen IT-Struktur im Haus Hotelplan gut. Der Entscheid war aus
betriebswirtschaftlicher Sicht quasi selbstverständlich.»
Ob auch ausländische Gesellschaften von Hotelplan auf «Mythos» setzen, wird derzeit evaluiert. 

Bereich «Budget» bis April, Gesamtkonzept bis August

Für die Organisation und Aufstellung im Bereich «Budget» wollen
sich Thomas Stirnimann und Walter Brüllhardt bis April Zeit lassen. Das
ist just jener Zeitpunkt, an dem Hotelplan die Lizenz von Denner für
die Durchführung von Reisen unter «Denner Reisen» übernimmt. Mit dieser
Marke habe man viel vor. Stirnimann hatte ja angekündigt, mehr
Synergien mit der Migros-Gruppe realisieren zu wollen.
Das neue Gesamtkonzept von M-Travel Switzerland soll bis August stehen.
Der Chefposten im Bereich «Premium/Specialists» (wo die zehn Marken von
Travelhouse plus Globus Reisen angesiedelt sind) steht übrigens
entgegen vielen Spekulationen nicht zur Diskussion. Sprich: Thomas
Stirnimann leitet diesen Bereich weiterhin persönlich.
Dass die neue Struktur von M-Travel Switzerland portionenweise serviert
wird, begründet Stirnimann folgendermassen: «Es sind einfach extrem
viele Fragen offen. Wo wir uns Zeit lassen können, nehmen wir uns
diese.» 

JCR