Hotelplan «offeriert» Mitarbeitern unbezahlte Ferien (Ausgabe 2015-51)

Sparmassnahme als Chance sehen

Hotelplan Suisse blickt auf ein turbulentes Geschäftsjahr zurück. Die Bilanz: Durch die Steigerung der Passagierzahlen hat der Reiseveranstalter zwar Marktanteile gewonnen, den Umsatzrückgang konnte er aufgrund der Preisnachlässe jedoch nicht abfedern. Von 5% Umsatzeinbussen ist die Rede, mehr verrät die Geschäftsleitung nicht. Zudem fordern das schwierige Marktumfeld und die verhaltene Wintersaison weiter heraus. Bereits jetzt werden Buchungsrückgänge verzeichnet: Die Nachfrage nach Ferien in Sharm el-Sheikh und Hurghada ist um 50% eingebrochen, auch Tunesien und die Türkei sind problematisch.

Die Geschäftsleitung ist trotzdem davon überzeugt, mit den neuen Produkten für die Sommersaison gewappnet zu sein. Dabei setzt man vor allem auf Zypern, weil ein stärkeres Wachstum prognostiziert wird. Ist die Insel im Östlichen Mittelmeer das richtige Standbein oder ist es eher ein russisches Roulette? Die Zyprioten selber haben auf jeden Fall Respekt vor dem Konflikt zwischen der Türkei und Russland, wie die Autorin dieser Zeilen auf Zypern erfuhr.

Trotz der zuversichtlichen Einstellung hinterlässt die finanzielle Situation Spuren. Ende November gab Hotelplan Suisse überraschenderweise den Abbau von acht Stellen bekannt. Jetzt «offeriert» Hotelplan seinen Mitarbeitern aus gewissen Abteilungen unbezahlte Ferien und belohnt diese noch mit bis zu zwei Ferientagen. Von Sparmassnahmen will Eberhard in diesem Fall jedoch nicht sprechen. Er weist im Gegenzug jedoch darauf hin, dass im kommenden Jahr gespart werden müsse, allerdings ohne weitere Stellen abzubauen. 

Unbezahlte Ferien anzubieten, ist vielleicht nicht so schlecht. Erstens: Wer träumt nicht davon, mal eine Pause zu machen oder eine längere Reise anzutreten? Meistens scheitert der Traum, weil der Arbeitgeber keine längeren Ferien bewilligt. Gut, Reisen kosten Geld. Tatsache ist jedoch, dass in der Reisebranche viele junge Menschen arbeiten, die zum Beispiel noch keine elterlichen Verpflichtungen und deshalb eher die Möglichkeit haben, spontan und länger zu verreisen. Zudem sind sie an der Quelle und erhalten Vergünstigungen, die andere nicht bekommen. Zweitens: Mit der Massnahme, unbezahlte Ferien anzubieten, hat der Reiseveranstalter 2009 bereits Erfahrungen gemacht: Damals konnten hohe Lohnkosten eingespart werden. Wie dem auch sei, diese Massnahme ist auf jeden Fall immer noch besser, als sofort Stellen abzubauen. Unfreiwillige Ferien sind nicht so toll wie unbezahlte, die mit Ferientagen belohnt werden. Bleibt zu hoffen, dass diese Massnahme aufgeht. 

Erna Jonsdottir