Hotelplan Suisse steigt in Markt Bern ein (Ausgabe 2015-40)

In Bern braucht’s viel Fingerspitzengefühl

Bisher gab es in Bern am Kooperationsdreieck TUI–Kuoni–Helvetic Airways nichts zu rütteln, was die Charterflüge an die grossen Sommerdestinationen angeht. Im nächsten Jahr wird dies anders sein: Hotelplan Suisse hat die Chance gepackt und Kuoni in diesem Dreieck offenbar ersetzt. Letzterer will dies noch nicht bestätigen, doch die Flüge nach Griechenland und Zypern sind mit TUI- und Hotelplan-Gästen gefüllt. Dass Kuoni einen Vollcharter alleine stemmen wird oder dass TUI zusammen mit Kuoni noch andere Ziele aufnehmen will, ist unwahrscheinlich. Momentan sieht es so aus, als wäre Kuoni im nächsten Sommer ab Bern höchstens noch mit Kontingenten auf Linienflügen präsent. 

Dass Kuoni Schweiz in diesem Jahr generell Federn lassen musste, ist ein offenes Geheimnis. Gut möglich, dass man bei der Charterstrategie deshalb über die Bücher ging und den Standort Bern weitgehend kippte. Hotelplan Suisse hingegen hat seine Zusammenarbeit mit Helvetic Airways sowieso schon ausgebaut: einerseits mit Zusatzflügen im vergangenen Sommer, andererseits als neuer Hauptpartner für den kommenden Winter, nachdem man die Zusammenarbeit mit der Germania Flug AG beendet hatte. Zurzeit deutet deshalb alles da-rauf hin, dass Helvetic Airways auch im restlichen Sommerprogramm 2016 von Hotelplan Suisse eine grosse Rolle spielen wird. Die Kapazitäten würden gemäss Luftfahrt-Insidern ungefähr reichen.

Der Einstieg in den Markt Bern ist nicht ohne Risiko. Es ist ein spezieller Markt: Die Maschinen sind kleiner, die Preise entsprechend höher. Wer mit zu vielen Kapazitäten kommt, fällt schnell auf die Nase – das frühere Skywork-Management demonstrierte dies eindrücklich, und auch Helvetic Airways musste in den letzten drei Jahren einsehen, dass es eine Fokker 100 und einen Airbus A319 gleichzeitig nicht verträgt. Sind die Strecken zu lang, wird der Preisunterschied zu anderen Flughäfen zu hoch und die Rechnung geht nicht mehr auf – ein Risiko für den neuen Zypern-Flug von Hotelplan und TUI. Und sobald eine Destination kriselt, dauert es weniger lang als an anderen Flughäfen, bis die Charterkette gekippt werden muss.

Auf der anderen Seite hat man rund um den Flughafen Bern ein stattliches Einzugsgebiet, dessen Bewohner oftmals gerne ein paar Franken mehr zahlen, wenn sie dafür nicht nach Zürich müssen. Die «Convenience» des Flughafens ist unbestritten. In Bern kann man durchaus Erfolg haben – aber man muss sehr, sehr vorsichtig kalkulieren.