HRG bestätigt einen globalen Umbau (Ausgabe 2014-42)

Der Entlassungsschock bei HRG Europe Central in Zürich sitzt noch immer tief.

Die Auflösung der aus Zürich heraus gesteuerten Division HRG Central Europe mit Entlassung des gesamten achtköpfigen Top-Managements (ausser Ralf Dörig, der ab 1.1.2015 neuer Director von HRG Switzerland wird, siehe TI 40/14), steht wie vermutet in einem grösseren, globalen Zusammenhang. HRG müsse die Strukturen in Teilen ihres Netzwerkes anpassen, um so den Kunden einen rascheren und nahtloseren Service anbieten zu können, erklärt das HRG Head Office in London in einer inzwischen veröffentlichten Mitteilung. Weitere Details zu den neuen Strukturen und insbesondere zu Zürich gibt es weiterhin nicht. 

Tatsache ist, dass HRG unter Zugzwang steht: Seit einer Gewinnwarnung im Juli ist der Aktienkurs inzwischen um über 40% eingebrochen. Als Grund für die schwierige Geschäftslage wird von HRG der verschärfte Konkurrenzkampf unter den TMC mit daraus resultierendem Druck auf die Gebühren-Einnahmen und der weiter zunehmenden Online-Trend (mit tieferen Gebühren-Ansätzen) genannt. Probleme soll HRG zudem in Kanada mit dem Mandat der kanadischen Regierung und aktuell in Deutschland mit dem Grosskunden VW haben. Branchen-Insider vermuten, dass HRG deshalb auch in weiteren Märkten, insbesondere Deutschland (resp. Division Nordeuropa), die Strukturen anpassen werde.

Gemäss Communiqué will HRG ihre Services künftig auf einige globale Zentren konzentrieren und neue Abläufe implementieren, um die Effizienz zu steigern. Man strebe eine flexiblere Struktur an, damit man rascher auf Veränderungen reagieren und neue Produkte entwickeln könne, wird CEO David Radcliffe zitiert. Er bedauert, dass man sich von einigen «good colleagues» trennen müsse. Was die Zukunft der Schweizer Betroffenen angeht, kann nur spekuliert werden: Managing Director Beat Bürer und Procurement-Chef Bernard Eggen könnten sich möglicherweise aus dem aktiven Berufsleben zurückziehen, Andreas Stehrenberger (Client Management) bei einer anderen TMC anheuern. Die weiteren Kader (Finanz, IT, Legal, Marketing etc.) wären auch ausserhalb der Branche gefragte Top-Spezialisten.

Die Hogg Robinson Group gehört mit einem fakturierten Umsatz von rund 15 Mrd. Franken hinter American Express, Carlson Wagonlit Travel und BCD Travel zu den führenden Travel Management Companies (TMC) der Welt. Zahlen für die Schweiz werden keine ausgewiesen – der Umsatz darf auf rund 550 Mio. Franken geschätzt werden. Damit gehört HRG, seit 2004 mit der Übernahme von BTI Kuoni im hiesigen Markt tätig, zusammen mit CWT zu den zwei grossen auf Geschäftsreisen spezialisierten TMC in der Schweiz.

Beat Eichenberger