Herr Meier, Sie sprechen im Bericht zu den Neun-Monats-Zahlen von einem «anspruchsvollen Geschäftsumfeld» was meinen Sie damit genau?
Die Welt ist in diesem Jahr besonders mit geopolitischen Ereignissen konfrontiert. Ich denke an den Ukraine-Konflikt, an Ägypten, Thailand oder Kenia, aber auch das Ebola-Virus, Währungsschwankungen oder die allgemeine Unsicherheit der Weltwirtschaftslage. Diese sind für einen globalen Reisedienstleister wie Kuoni eine Herausforderung.
Die Kuoni-Aktie hatte zeitweise fast die Hälfte ihres Werts von Anfang Jahr verloren. Wie kommentieren Sie dies?
Die Aktienkurse im Reisesektor können kurzfristig relativ hohe Schwankungen haben, da der Reisemarkt vom aktuellen Geschäftsumfeld mehr abhängt als zum Beispiel die Investitionsgüter- oder Nahrungsmittelindustrie. Dies sieht man auch daran, dass die Kuoni-Aktie seit Mitte Oktober wieder um 20% gestiegen ist. Dass der Wert deutlich unter dem Jahresendkurs liegt, hat primär mit der Ertragsentwicklung in Nordeuropa zu tun.
Wie entwickelt sich das Schweiz-Geschäft?
Kuoni Schweiz erzielte ein gutes Ergebnis. Auch der regnerische Sommer trug dazu bei. In der Schweiz werden wir 2014 die Profitabilität steigern, sind aber noch nicht auf dem angestrebten Niveau.
Eine deutliche Verschlechterung erfuhr der Bereich Outbound Nordic
in den letzten Jahren stets ein Garant für gute Zahlen. Was ist dort geschehen?
Diese Märkte litten unter einer Kumulation von Ereignissen. Dazu gehörten der Nachfragerückgang für Ägypten und Thailand, das extrem schöne Frühlings- und Sommerwetter in Skandinavien, eine negative Währungsentwicklung und folglich ein Überangebot an Flugkapazitäten. Dies führte zu einem deutlichen Rückgang der durchschnittlichen Verkaufspreise. Inzwischen hat sich die Situation stabilisiert. Mit den bereits eingeleiteten Massnahmen soll Outbound Nordic 2015 wieder einen Gewinnbeitrag leisten.
Wo sehen Sie die Gründe für das boomende FIT-Geschäft?
Die Zahl der Reisenden nimmt weltweit weiter zu. Beispielsweise in den asiatischen Märkten, ohne Japan, verzeichneten wir in den ersten neun Monaten ein organisches Wachstum von 21%. Zeitgemässe Technologie zur schnellen Abwicklung der millionenfachen Preisabfragen auf den Datenbanken und die effiziente Buchungsabwicklung tragen dazu bei. Auch Innovationen wie die neue App «Emutrip». Reisebüros oder OTAs können die gebuchten Dienstleistungen ihren Kunden direkt auf mobile Geräte für die Reise übermitteln.
Das klassische Touroperating hat hingegen erneut verloren. Wie sehen Sie dessen Zukunft vor allem aus Europa heraus?
Wir fokussieren auf die Profitabilität und nicht nur auf Umsatz. Gerade hier hat das Reiseveranstaltergeschäft in Outbound Europe/Asia die Ergebnisse verbessert. Und auch Outbound Nordic wird sich 2015 daran anschliessen.
SJ



