Die Swiss verhandelt bereits seit zwei Jahren intensiv mit den GDS über
eine Vertragsänderung. Laut Harry Hohmeister, Chief Network &
Distribution Officer bei Swiss, sei es im Sinne der gesamten
Distributionskette unabdingbar, die Kosten zu senken. Hierbei seien
insbesondere die GDS gefordert, weil die Swiss ihren eigenen und
internen Kostenreduktionsanteil massiv gesenkt habe. 2007 habe Swiss
den GDS rund 70 Mio. Franken gezahlt, für das laufende Jahr rechnet
Hohmeister gar mit 90 Mio. Franken. «Bislang fanden wir bei den GDS
wenig Gehör; die Verträge zwischen Swiss und den GDS laufen aber per
Mitte Jahr aus, wie Hohmeister und Verkaufschef Rudolf Schumacher im
Gespräch mit TRAVEL INSIDE erläuterten.
Gemäss Insidern ist davon auszugehen, dass die GDS von Lufthansa und
Swiss ausgehebelt werden könnten, dann nämlich, wenn die einzelnen
Airlines im Rahmen neuer Verträge mit den GDS einzelne GDS bevorzugen
oder auch benachteiligen. Vertraglich ist es so, dass Swiss via GDS den
Full Content anbieten muss. Für den Moment jedenfalls noch, denn
beispielsweise der Amadeus-Vertrag läuft Mitte Jahr aus.
Das Thema Vorzugspreismodell mit GDS-Gebühren erhitzt innerhalb der
Reisebüro-Familie derweil weiterhin die Gemüter. Die kürzlich von
SRV-Geschäftsführer Walter Kunz verfasste Mitteilung «Aus erster Hand»
stiess bei Swiss nicht auf Verständnis. Rudolf Schumacher: «Wir
bedauern das Vorgehen des SRV und sehen darin keine konstruktive Art
und Weise, mit der Thematik umzugehen. Es wäre sinnvoller gewesen, die
GDS anzugehen.» Swiss überlege sich nun, wie damit umgegangen werden
solle und welches die nächsten Schritte sein müssten. Die vom SRV
empfohlenen Massnahmen seien juristisch fragwürdig, es würden aber
keine rechtlichen Schritte angedroht. «Wir wollen kein weiteres Öl ins
Feuer giessen», meint Schumacher.
Auch der Hinweis bezüglich Weko bringt Swiss nicht in Zugzwang: Swiss
habe schon im Vorfeld sehr genaue juristische Abklärungen vorgenommen,
nicht nur für die Schweiz, sondern auch für die andern Länder. «Wir
haben dafür einen externen Fachmann für Wettbewerbsrecht beigezogen und
das Modell der Weko vorgestellt. Die Weko hatte keine Einwände
geäussert.» Der SRV sei im Übrigen darüber informiert worden. Für
Schumacher ist zudem nicht klar, was die Fuel-Surcharge-Thematik von
Basel mit der GDS-Debatte zu tun habe; dafür hat er kein Verständnis.
Swiss könnte wie Easyjet oder Ryanair übers Web verkaufen doch auch
beim Angebot ab dem EuroAirport setze man bewusst auf den
Vertriebskanal Reisebüro.
Die momentane Debatte mit den Reisebüros bedauert Harry Hohmeister:
«Swiss ist der wichtigste Airline-Partner der Reisebüros und hat seit
2005 mehr in die Regale der Reisebüros gestellt als alle andern. Swiss
trägt das volle Investitionsrisiko und das volle Expansionsrisiko.
Beide Parteien wollen Full Content und keiner will eine
Schlechterstellung der Reisebüros gegenüber dem Eigenvertrieb, der
nicht via GDS abgewickelt wird. Swiss wäre aber zu einer
Schlechterstellung gezwungen, sollten andere weiterhin in ihrer
Wertschöpfungskette möglichst hohe Renditen abschöpfen wollen.» Besser
wäre es, so Hohmeister, man überlege im Dreierkonsens, wie die
Airlines, die GDS und die Reisebüros besser zusammenarbeiten könnten.
«Wenn Swiss im Reisebürovertrieb nicht wettbewerbsfähig ist, dann
kommen die Low Cost Carrier zum Zug. Dann ist das Geschäft für Swiss,
aber auch für Reisebüros weg. Swiss will, dass ihr wichtigster
Vertriebskanal, die Reisebüros, wettbewerbsfähig bleiben, damit nicht
alles bei den Lowcostern landet, die ihre Erträge fast ausschliesslich
im Direktvertrieb generieren.»
Angelo Heuberger/Chris Probst/Simon Benz
Swiss versendet neue Agenturverträge Ende April
Die Verträge für das neue Vertriebsmodell, die das Verhältnis
zwischen Airline und IATA-Reisebüro regeln, werden von Swiss Ende April
verschickt. Bis Mitte Juni erwartet Swiss den Rücklauf der
unterschriebenen Verträge. Die Umsetzung wird dann per 1. Oktober
erfolgen. Swiss müsse verkaufbar bleiben, darum müssten bis dahin die
Preismodelle umgesetzt sowie die ganzen Tarifstrukturen implementiert
werden. Es wird eine Task Force von Swiss eingerichtet, die sich mit
dem Thema Abwicklung bei den Reisebüros beschäftigt. Die Prozesse
müssten aufeinander abgestimmt werden, sagt Rudolf Schumacher. Swiss
bereitet jedenfalls ihre Partner-Reisebüros auf den definitiven Launch
am 1. Oktober mit den Preferred Fares vor. In Deutschland wurden die
Swiss-Verträge von 80% der Reisebüros (Umsatzvolumen) unterschrieben;
in Österreich etwas weniger. Die Deutschen Agenten sind zwar nicht
glücklich mit der Situation, wollen aber im Geschäft bleiben. Mit der
Unterschrift kann man immer noch entscheiden, ob man so oder so
bucht.
AH/CP
