Kader-Kahlschlag bei HRG Europe Central (Ausgabe 2014-40)

Was hat man bei HRG wirklich vor?

Die reorganisatorisch begründete Entlassung einer ganzen Führungscrew und weiterer Mitarbeitenden mag aus dem Blickwinkel einer in London domizilierten, global tätigen und börsenkotierten Unternehmung «Peanuts» sein – für die Schweizer Reisebranche ist es ein Erdbeben. Denn HRG Switzerland gehört mit einem geschätzten Umsatz von rund CHF 550 Mio. zu den ganz Grossen im hiesigen Reisegeschäft und befindet sich damit in einer ähnlichen Liga wie Kuoni oder Hotelplan. Im Gegensatz zu den (Ferien-)Reiseveranstaltern sind die auf Geschäftsreisen spezialisierten Travel Management Companies in der breiten Öffentlichkeit aber kaum ein Begriff – sonst fände der Entlassungsschock bei HRG ein anderes mediales Echo. 

Was vor allem Erstaunen auslöst, ist die Tatsache, dass man (bis Redaktionsschluss und trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme von TRAVEL INSIDE) am HRG-Headoffice in London weder eine offizielle Mitteilung aufsetzen noch auf Fragen eingehen mag. Es ist wohl nicht übertrieben, dies als Affront gegenüber Kunden, Partnern und der Branchenöffentlichkeit zu bezeichnen – aber auch gegenüber dem Team von HRG Switzerland. Und: Damit öffnet HRG wissentlich Tor und Türe für Spekulationen. 

Denn es gibt ein, zwei Ansätze, welche auf einen grös-seren Zusammenhang als «nur» die Reorganisation der Division Europe Central deuten könnten. So soll HRG gemäss gut vernetzten Insidern auch in weiteren wichtigen Ländern vorhaben, die Personalbestände abzubauen – reagiert das Unternehmen so auf den in letzter Zeit massiv eingebrochenen Aktienkurs? Geht es letztlich gar um eine «Fitnesskur» im Hinblick auf mögliche neue Eigentumsverhältnisse? Dass das Geschäftsmodell der «klassischen», auf Transaktionen getrimmten TMC immer stärker unter Druck kommt und kommen wird, ist ein offenes Geheimnis. 

 

Und wie steht es überhaupt um den Geschäftsgang in der Division Europe Central? Was die Schweiz betrifft, hat HRG in letzter Zeit einige wichtige Mandate verloren, so etwa die zwei Grossbanken UBS und CS, aber auch Procter & Gamble, Sicpa und weitere – das wirkt sich auch auf internationaler Ebene aus. Geht es letztlich doch um Sanierungsmassnahmen und eine massive Reduktion der (Personal-)Kosten, so dass eine attraktivere Rendite ausgewiesen werden kann? Antworten könnte HRG mit einer klaren und offenen Kommunikation liefern – andernfalls sich die Öffentlichkeit weiterhin ihre eigenen Gedanken machen wird.

Beat Eichenberger