Klare Worte spricht Martin Reber (Schär Bern): «Die Branche muss den
Vertrag von LX/LH ignorieren. Zusätzlich zum Schweiz. Reisebüro-Verband
(SRV) sollte nun auch die Swiss Travel Association of Retailers (STAR)
aktiv werden. Ich akzeptiere keinen einzigen Franken GDS-Gebühr.» Reber
geht davon aus, dass die Verbände eine dezidierte Stellung an den Tag
legen: «Zuerst soll verhandelt werden. Ich denke, dass es eine Lösung
gibt. Wenn die Gespräche aber nichts fruchten, muss der Kampf folgen.
Einen Boykott von LX und LH über eine gewisse Zeit würde ich
unterstützen.»
Von Boykott mag Daniel Bauer (BTA Travel Wm. Müller Basel) nicht
sprechen. «Der Begriff Shifting gefällt mir besser. Es wäre zwar
keine Lösung, aber ein Zeichen, wenn die Reisebüros für eine Woche bei
anderen Airlines buchen würden. Irgendein Zeichen müssen wir setzen,
aber den richtigen Weg zu finden, ist schwierig. Ich hoffe, dass der
SRV Vollgas gibt. Leider sind wir aber vermutlich am kürzeren Hebel,
denn die Geschichte lehrt , dass uns LX/LH diktieren können.»
Silvio Storchenegger (Reisebüro Lichtensteig) hat bereits in einem
Leserbrief in der TI-Ausgabe vom 25. Januar klar Position bezogen,
indem er forderte, die Reisebüros sollen fiktive Flüge buchen und diese
wieder annullieren, um bei Swiss ein Chaos auszulösen. Dazu steht er
auch jetzt: «Ich denke nicht, dass der SRV viel ausrichten kann. Es
wird auf einen faulen Kompromiss hinauslaufen. Deshalb ist jetzt der
Zeitpunkt gekommen, an dem die ganze Branche etwas machen muss.» Sein
Leserbrief hat einen Bericht in der Tageszeitung «Blick» vom
vergangenen Freitag ausgelöst (siehe Seite 3 in dieser TI-Ausgabe).
Stephan Stalder (Take It): «Es wäre das erste Mal, dass wir gegen die
Swiss arbeiten müssten, aber wir werden wohl dazu gezwungen sein.
Solange LX nicht weiss, was ihnen der Reisebüro-Vertrieb wert ist, muss
die Branche zusammenhalten und sich nach Alternativen umschauen. Sollte
es zu den angekündigten Vorzugspreisen kommen, hoffe ich, dass die
Reisebüros möglichst wenig LX/LH buchen», so Stalder.
Beat Walser (Passage Kloten, Präsident TTS) glaubt nicht, dass es
soweit kommt: «Der SRV macht einen super Job. Durch die Zusammenarbeit
mit Deutschland und Österreich wird Druck erzeugt. Ich denke, dass es
die Verbände schaffen werden und eine Lösung gefunden wird. Wenn nicht,
kommt dann vielleicht tatsächlich der Zeitpunkt, dass die Reisebüros
zusammenstehen und loyal sein müssen.»
Chris Probst
Auch Online-Plattformen betroffen
Für Roland Zeller (Travelwindow; gehört zur Hotelplan-Gruppe) ist die
Strategie noch nicht festgelegt, da diese durch die Gruppe koordiniert
wird. Seine persönliche Meinung: «Die Branche sollte für eine bestimmte
Zeit LX/LH nicht verkaufen.» Zeller zeigt auf, dass gerade bei
Internet-Plattformen LX/LH Einbussen in Kauf nehmen müssten: «Wenn die
Plattform-Betreiber den Vertrag für Vorzugspreise nicht unterzeichnen,
werden die Tarife für einen Retourflug automatisch um 50 Franken höher
und die LX/LH-Flüge automatisch im Display um einiges nach unten
rutschen.»
Swiss widerspricht Amadeus
Zur am St.Galler Touristiker-Tag vom vergangenen Freitag
erfolgten Aussage von Cornel Küng, GM Amadeus Schweiz, Amadeus sei
nicht teurer geworden, meint Jörg Dinner, Head of Corporate
Communications der Swiss: «Die GDS-Kosten pro gebuchtes Segment sind
bei Amadeus im 2007 im Vergleich zu 2006 um rund 20% gestiegen. Für
dieses Jahr hat Amadeus einen weiteren Anstieg von rund 2% angekündigt.»
