Das Traktandum 13 «Wahlen» an der SRV-GV brachte dem Präsidenten Hans-Jörg Leuzinger und dem Geschäftsführer Walter Kunz kein Glück: Während die Erneuerungswahl von André Lüthi in den Vorstand und der Reise-Treuhand AG als Revisionsstelle einstimmig durchgingen, gestaltete sich die Ersatzwahl von Stefan Leser für Roberto Luna in den Vorstand als unfreundlicher Akt. Leser hatte nach dem Luna-Abgang das Amt als CEO Schweiz bei Kuoni per 1. September übernommen.
Nachstehend das Live-Protokoll einer unschönen Wahl: Nachdem der Präsident für die Kandidatur geworben und auf die Personenbeschreibung in den Unterlagen hingewiesen hat, ergreift Beat Walser (Passage Kloten) das Wort und stellt den Kuoni-CEO in Frage. Walser: «Kaum jemand kennt den neuen Kuoni-CEO, das ist keiner von uns.» Der TTS-Präsident geht in seiner emotionalen Rede zusehends auf die Qualifikation Lesers ein, bezweifelt dessen Leistungsausweis massiv und zitiert einen Artikel aus der Sonntagspresse. Walser plädiert dafür, entweder den Sitz für Kuoni für ein Jahr vakant zu belassen oder seitens Kuoni den bekannten Vertriebsleiter Gianni Moccetti zu wählen.
In der Folge ergreift Moccetti enerviert das Wort und teilt mit, dass er nicht zur Verfügung stehe, sondern dass Kuoni von ihrem CEO vertreten werde. Er verurteilt zudem die Voten Walsers als unwürdige Einlage aufs Schärfste. Der Präsident schreitet zur Abstimmung: Diese bringt mit acht Nein-Stimmen und 35 Enthaltungen bei insgesamt 85 anwesenden Stimmen die rechnerische Summe von 42 Ja-Voten. Der Präsident stellt fest: «Der Kandidat hat das absolute Mehr nicht erreicht und ist damit nicht gewählt.» Ruhe im Saal: Da reckt sich der vom SRV als Gast eingeladene Tourismus-Professor Hans-Ruedi Müller und interveniert: «Gemäss Statuten benötigt die Wahl das einfache Mehr, die Enthaltungen müssen nicht mitgezählt werden.» Kurzes Tohuwabohu im Saal. Präsident Leuzinger bemerkt seinen Fehler und lässt nach kurzer Rücksprache mit seinen Kollegen auf dem Podium und nach der Konsultation des anwesenden Juristen Christian Cabane aus Basel die Wahl richtigerweise wiederholen. Der zweite Wahlgang wird genau ausgezählt, er fällt noch negativer für den zur Wahl stehenden Kandidaten aus: 30 Ja, 11 Nein, 34 Enthaltungen. Mit 30 darunter 12 Kuoni-Stimmen zu 11 ist Leser gewählt. Keine Regung im Saal, kein Applaus.
Nach der GV fragt TI bei Leuzinger nach, ob er vom Intermezzo Walsers, beide sind ja Kollegen in der TTS-Gruppe, gewusst habe: «Jein. Ich habe zwar mitbekommen, dass Beat Walser sich exponieren will, habe aber im Vorfeld der GV mit ihm gesprochen und gedacht, dass er sachlich bleiben würde. Seine Wortwahl erachte ich als sehr fragwürdig. Ich war enttäuscht.» Beat Walser kontert: «Leuzinger war informiert über meine Intention. Ich fand es nicht gut, dass er jegliche Diskussion unterbinden wollte. Mit dem Resultat kann ich gut leben. Leser weiss jetzt, dass er in der Branche etwas tun muss.»
Angelo Heuberger, Kairo
Konkurrenz-CEOs ohne Stimme
Der Hammer an der SRV-GV: Die CEOs von Hotelplan, Travel-house und TUI Suisse votierten zum Vorschlag des SRV-Vorstandes, dem sie selber auch angehören, demonstrativ mit Stimmenthaltung. Und dies sowohl bei der wegen eines Formfehlers annullierten ersten Abstimmung, als auch bei der Wiederholung. Damit desavouierten sie ihren Präsidenten, der davon keine Kenntnis hatte. Präsident Hans-Jörg Leuzinger: «Ich bin konsterniert. Das Verhalten meiner Vorstandskollegen, die sich der Stimme enthalten haben, beanstande ich. Ich hätte zumindest einen Hinweis im Vorfeld der GV erwartet, denn das CV von Stefan Leser und das Traktandum waren klar. Hätte ich gewusst, dass die drei Herren zusammen so entscheiden, hätte ich das Traktandum anders durchgezogen. Ich habe den Verdacht, dass Animositäten zu einer Spontanreaktion der drei Vorstandskollegen geführt haben. Ich kann das nicht dulden und habe nun grossen Kommunikationsbedarf innerhalb des Vorstandes und gegenüber Kuoni. Nun versuche ich, den Weg für Stefan Leser zu ebnen, denn dieser hat so etwas nicht verdient.»
Und was sagen die CEOs zu ihrem Verhalten? Peter Spring (Hotelplan): «Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich einen Abstimmungsentscheid nicht in der Öffentlichkeit kommuniziere und schon gar nicht rechtfertige.» Martin Wittwer (TUI Suisse): «TUI Suisse kommentiert seine Abstimmungspolitik anlässlich der SRV-GV nicht öffentlich. Dies ist eine interne Angelegenheit. Persönlich begrüsse ich den Entscheid der Basis und somit die Wahl von Stefan Leser.» Thomas Stirnimann (Travelhouse): «Als Vertreter von Travelhouse mit zwei Stimmen vertrete ich die Interessen meiner Firma und des Vorstandes. Ich habe nicht Nein gestimmt und bin weder gegen Kuoni, noch gegen Stefan Leser. Mit der Enthaltung wollte ich das Feld frei lassen für eine demokratische Abstimmung der Basis. Und es ist ja so herausgekommen wie es Präsident und Vorstand geplant haben.»
AH
