Krawatte oder T-Shirt: Was ziehen Reiseberater am Counter an? (Ausgabe 2007-31)

Das Outfit in Reisebüros ist sehr unterschiedlich.

Wenn die Mitarbeitenden der SBB-Reisebüros zur Arbeit gehen, gibt es kein langes Suchen im Kleiderschrank: Sie ziehen ihre Uniform an. Auch für die Reiseberaterinnen Marianne Finke und Beate Mittelstädt, Mitarbeiterinnen eines TUI Reise Centers im Norden Deutschlands, stellt sich die Frage nicht: Sie ziehen eine blaue Bluse und eine dunkle Hose an und streifen eine beige Jacke darüber.

Während der kürzlich im Rahmen der «Sommerleute»-Reportagen erfolgten Besuche in rund 50 Reisebüros ist den Redaktoren von TI die Vielfalt der Bekleidungen aufgefallen. Beim Betrachten der Fotos kommt unweigerlich die Frage auf, ob das eine oder andere Reisebüro nicht mit einem einheitlichen Outfit besser fahren würde. Wir haben uns in der Branche umgehört.

Von den drei grossen Schweizer Reiseveranstaltern hat gegenwärtig keiner die Absicht, das Personal in den Filialen auf irgendeine Weise zu uniformieren. Hotelplan und Kuoni begnügen sich mit nicht sehr einengenden Bekleidungsvorschriften, TUI Suisse hat keine allgemein gültige Regelung erlassen. Globetrotter kommt ebenfalls ohne solche Vorschriften aus, bei STA Travel gibts entsprechende Richtlinien.

Alle fünf befragten Reiseverkäufer verlangen von ihren Mitarbeitenden – ob mit oder ohne Reglement – ein sauberes und gepflegtes Auftreten. Wo es schriftliche Richtlinien gibt, werden dazu noch ein paar Details präzisiert.

So sind für die 600 Counterprofis von Kuoni Schweiz Blue Jeans, ausgelatschte Turnschuhe, Sandalen und Bauchfreiheit tabu. Gianni Moccetti, Leiter Vertrieb, hat dies vor eineinhalb Jahren in einem Kleidungsreglement festgehalten. «Es sind keine sehr einschränkenden Richtlinien», betont Moccetti. Doch er ist überzeugt, dass das Sprichwort «Kleider machen Leute» auch heute noch seine Gültigkeit habe.

Die Einführung der Bekleidungsregelung habe zu einigen wenigen Diskussionen geführt, erklärt der Vertriebschef. Kuoni hat es aber nicht bei den Vorschriften bewenden lassen. Regional- und Filialleiter hatten die Gelegenheit, an Stilberatungs-Kursen von Stilexpertin Corinne Staub teilzunehmen. Und den Mitarbeitenden hat Kuoni das Buch «Dressguide für sie und ihn» geschenkt.
Stylingberatung ist auch bei Hotelplan kein Fremdwort. «Sie gehört regelmässig zu unserem Kursangebot», erläutert Vertriebschef Daniel Reinhart, «ist also eine Art Weiterbildung.» Es gibt einen Dresscode, der von den über 500 Counterprofis im Intranet eingesehen werden kann.
«Das sauberste und Einfachste wäre eine Uniform», räumt Reinhart ein, «dies würde das Kleiderproblem entschärfen.» Eine einheitliche Kleidung wirke aber förmlich, «eben uniform» – Hotelplan wolle durch eine gewisse Lockerheit aber Vielfalt ausstrahlen.

Bei TUI Suisse will man gemäss Roland Schmid, Chief of Staff, nichts von Uniformen wissen. «Wir haben keine zentralen Vorschriften, was die Bekleidung betrifft», erläutert er. Der korrekte Auftritt des Counterpersonals gehöre in den Kompetenzbereich der Regional- und Filialleiter. «Da bei uns bisher keine negativen Kundenreaktionen eingegangen sind, gehen wir davon aus, dass unsere Politik richtig ist», meint Schmid weiter und ergänzt, dass Kunden ja «relativ gnadenlos» seien, wenn es um Kritiken und Reklamationen gehe.

Auch Globetrotter verzichtet gemäss Vizechef Andy Keller auf ein Reglement. «In unseren Filialen soll es authentisch sein», hält er fest, «selbstverständlich muss unser Personal gepflegt auftreten.» So ergebe sich eine Mischung von Professionalität und etwas Lockerheit. «Mehr Sein als Schein» sei das Ziel des Globetrotter-Auftritts. Bei Veranstaltungen wie Tagen der offenen Tür komme es aber vor, dass sich ganze Teams in einheitlichen T-Shirts präsentieren.

STA-Verkaufsleiter Jean-Philippe Spinas weist darauf hin, dass in ihren Bekleidungsvorschriften «gepflegtes Erscheinen» verlangt werde. Dies heisse angesichts der vorwiegend 18- bis 35-jährigen Kundschaft nicht «Anzug», sondern einfach saubere, die Kundschaft nicht brüskierende Kleidung. Das STA-Motto laute «So auftreten, wie man selbst bedient werden möchte». Aber auch bei STA wurde das Thema Uniform schon diskutiert.
 
Hans-Rudolf Baumann

Vorzeigebeispiel SBB-Reisebüro

Die Reiseberaterinnen Priska Kälin und Claudia Michel müssen sich am Morgen keine Gedanken darüber machen, in welcher Kleidung sie zur Arbeit gehen. Die zwei Mitarbeitenden des SBB-Reisebüros Zürich-Stadelhofen ziehen eine ihrer blauen Blusen und eine dunkle Hose oder einen Jupe an und knüpfen ein Halstüchlein oder eines von zwei Foulards um. Ihre männlichen Kollegen treten in einem blauen Hemd und einer Krawatte mit ähnlichen Mustern wie Halstüchlein und Foulards an.

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