Das Wort «Boom» verwendet heute keiner der befragten Anbieter mehr. Dies war vor ein paar Jahren noch anders, als die Wachstumsraten im Cruise-Markt aufgrund eines sich erst entwickelnden Pax-Niveaus explodierten. Inzwischen sind die Kreuzfahrten eine Reiseformel, die sich mit gegen 150000 Schweizer Gästen jährlich im Mix der Angebotspalette im Ferienmarkt zunehmend etabliert und weiter wächst.
Ein Anzeichen für diese Etablierung ist die Beobachtung, dass sich das Wachstum über alle Segmente erstreckt von den Mainstream-Angeboten für Familien über die klassischen Premium- und Luxusprodukte bis zu den Spezialitäten wie Expeditionen oder Segeln. Besonders teurere Seereisen verzeichnen deutliche Zunahmen ein Zeichen dafür, dass die Repeater sich das zweite oder dritte Mal etwas mehr leisten. Dafür hat der Drive beim wichtigen Einsteiger-«Nachschub» etwas nachgelassen. Ob es sich dabei um eine vorübergehende Schwäche oder ein ernst zu nehmendes Anzeichen für eine Trend-umkehr handelt, lässt sich nicht schlüssig orten.
Denkbar ist aber auch, dass sich das Preisbild auf diese Weise auswirkt. Dieses geriet nach der Costa-Havarie in den letzten zwei Jahren stark unter Druck, beginnt sich aber wieder zu stabilisieren. Es gibt weniger aggressive «Kampfpreis»-Aktionen, zudem werden diese eher mit Zusatzleistungen verknüpft statt einzig preisgetrieben aufgesetzt. Das könnte zur Folge haben, dass sich etwas weniger nur auf den Schleuderpreis fixierte Schnäppchenjäger angesprochen fühlen als auch schon, was wiederum kein Unglück sein muss: Die Repeater-Quote im billigsten Preissegment ist in der Regel unterdurchschnittlich.
Eine gewisse Imagekorrektur, dass auch Kreuzfahrten ihren Preis haben, wäre zudem längerfristig nachhaltiger. Das ändert nichts an der Tatsache, dass gerade für Familien Schiffsreisen im Vergleich zu landgestützten Ferien unverändert über ein fast unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis verfügen. Diese Message in die Breite zu tragen, wäre eine hehre Aufgabe der Anbieter.
