Sich ernsthaft Sorgen über den Zustand der Welt zu machen, hat Hochkonjunktur. Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine, Überflugverbote über den Irak und möglicherweise bald über Russland, Ebola-Seuche in Westafrika, die Immigra-tionsproblematik in Europa und wirtschaftliche Hiobsbotschaften dominieren die Medien und die Alltagsdiskussionen. Gepaart mit den Flugzeugabstürzen und Bus- sowie Zugunfällen jüngeren Datums sind solche Meldungen im Prinzip Gift für die Reisebranche.
Trotz allem gehen die IATA und professionelle Analyse-Unternehmen weiterhin von einem deutlichen Wachstum im Luftverkehr aus. Das Vertrauen in die Luftfahrt scheint intakt. Die Konflikt- und Krisenzonen meist ohne touristische Relevanz werden entweder nicht mehr angeflogen oder umflogen. Dieser Entscheid liegt im Ermessen jeder Airline. Und so gibt es auch einige, die darauf verzichten, aus Imagegründen bzw. auf öffentlichen Druck hin Zonen zu umfliegen, die sie behördlich überfliegen dürfen.
Ist der heutige Konsument «mündiger» und lässt sich nicht mehr von jeder negativen Meldung beeinflussen? Hat man akzeptiert, dass es hundertprozentige Sicherheit niemals geben wird, weder beim Reisen noch im Alltag? Kaum, denn die Zahl besorgter Anrufe steigt massiv an, sobald irgendwo auf der Welt etwas passiert.
Das ist auch die Stunde der Reisebüros. Hier können sie ihre Kompetenz und Erfahrung ausspielen. Der Job im Reisebüro hat in solchen Situationen auch viel mit Stress-abbau, Sicherheitscoaching und Seelsorge zu tun. Ein Versprechen, dass alles gut gehen wird, kann aber niemand abgeben.
Schön wärs, wenn Herr und Frau Schweizer von ihrer oftmals noch gepflegten «Betroffenheitskultur» abkommen würden und sich einfach gut auf ihre Reise vorbereiten. Solange Ferien im Ausland noch als Erholung angesehen werden, braucht sich die Branche trotz «Weltschmerz-Stimmung» in vielen Medien noch keine grossen Sorgen zu machen.
Urs Hirt
