Kuoni ist bereit – und Kroatien? (Ausgabe 2008-40)

Simon Benz über die Kroatien-Offensive von Kuoni/Unique

Heute macht die Schweiz rund ein Prozent der Totaleinreisen nach
Kroatien aus, und bei rund 70 Prozent der Einreisenden aus der Schweiz
handelt es sich um Individualtouristen. Es ist also durchaus
nachvollziehbar, dass Unique Travel das Portfolio vor allem mit
Angeboten für diese Zielgruppe erweitert.

Mit den neuen Angeboten soll vor allem ein höheres Kundensegment
angesprochen werden. Diese Zielgruppe kann mit der Qualität der Hotels
und Transportmittel aber nur beschränkt erreicht werden, denn die
kroatische Infrastruktur muss sich erst noch entwickeln. Der Golfsport
als Inbegriff der gehobenen Freizeitaktivität beispielsweise, soll
künftig auch in Kroatien ein wichtiges Reiseargument für das hohe
Kundensegment werden. Die dafür benötigten 18-Loch-Golfplätze
existieren derweil allerdings nur auf dem Papier.

Wer eine Reise nach Kroatien plant, fährt meistens ans Meer.
Verständlich, denn die kroatische Küste und die vorgelagerten Inseln
verfügen über eine hervorragende Wasserqualität. Obwohl der Grossteil
der Schweizer das Land individuell bereist, bleibt die Hauptstadt
Zagreb aus der Schweiz noch weitgehend unberührt. Sollten sich Kuoni
wie auch die andern Veranstalter um diesen Markt bemühen, sind
entsprechende Imageförderungs- und Informationsmassnahmen bei Endkunden
wie auch Reisebüros unverzichtbar. Lohnen würde es sich, schliesslich
verfügt Zagreb über viele, aber scheinbar noch unbekannte Angebote, die
für einen Kurzaufenthalt sprechen: regelmässige und schnelle
Erreichbarkeit, ein vielfältiges kulturelles Angebot sowie umfangreiche
Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten.

Bei Kuoni ist man generell vom Potenzial Kroatiens überzeugt, dies
zeigt der 30-seitige Ausbau der kommenden Kataloge von Tochter Unique
Travel. Kuoni geht sogar so weit, in Kroatien das mit dem Verkauf der
Edelweiss Air abgelegte Charterrisiko mit einem eigenen Charter wieder
einzugehen. Gegenüber den Vorjahren kann Unique Travel heute allfällige
Überkapazitäten über das Massengeschäft der beiden Kuoni-Töchter Direkt
Reisen und Helvetic Tours absetzen. Was es aber neben neuen Angeboten
und ausgebauten Produktpaletten braucht, ist Zeit. Denn es sollte trotz
steigender Kapazitäten nicht vergessen werden, dass das Land durch die
grossen Veränderungen, die es durchlaufen hat, eine noch junge –
beziehungsweise wieder junge – Destination ist.