Das ging nun schneller als von allen erwartet: Bereits Anfang nächsten Jahres übernimmt Kuoni Schweiz das erste System vom neuen Mutterhaus DER Touristik. Wenn dies reibungslos über die Bühne geht, ist es eine reife Leistung: Erst vor einem Monat durften die beiden Unternehmen aus kartellrechtlichen Gründen mit strategischen Gesprächen beginnen.
Die rasche, um nicht zu sagen hastige Vorgehensweise von Kuoni Schweiz ist verständlich. Die Zeit läuft gegen den Veranstalter: Im laufenden Jahr hat er viel an Boden verloren. Nach der Bekanntgabe des Käufers im Juni wich die Unsicherheit bei Partnern und Kunden zwar, doch bis zum offiziellen Closing Mitte September waren Kuoni Schweiz die Hände gebunden. Viele Projekte waren «on hold», es wurde kaum investiert. An verschiedenen Orten, z.B. am Flughafen Bern, sah Kuoni Schweiz seine Felle davonschwimmen.
Seit einem Monat gibt es an der Neuen Hard deshalb nur eine Devise: Vollgas. Mit der Implementierung des Systems Blank bei Helvetic Tours greift Kuoni nun dort an, wo es um den Preis geht also genau dort, wo man sich die meisten Synergien mit DER Touristik verspricht. Andere Veranstalter dürften diesen Schritt mit Sorgen beobachten. Aus Hotelplan-Kreisen beispielsweise wurden bereits zuvor Befürchtungen laut, dass Kuoni dank dem neuen Eigentümer die Preise massiv senken wird. Schliesslich ist Hotelplan Suisse nun der letzte der grossen Pauschalveranstalter in der Schweiz, der kaum auf internationale Skaleneffekte zurückgreifen kann.
Am System Blank gibt es nichts auszusetzen. In Deutschland ist es etabliert, es kann mit Cets korrespondieren, es kann mit OTDS-Daten umgehen, und ständig werden neue Ergänzungen entwickelt. Die Herausforderung für Kuoni ist eine andere: Neben dem Uralt-System Komet und dem mit Kinderkrankheiten behafteten Tango wird nun ein drittes System parallel laufen. Und mit Phoenix Unlimited von DER Touristik wartet bereits ein viertes auf die Implementierung.
Stefan Jäggi



