«Lancieren Sie ein Produkt nicht erst, wenn es ausgereift ist» (Ausgabe 2014-40)

In der Onlinewelt muss man vor allem schnell sein und die Kundendaten teilen, sagt TUI-CEO Friedrich Joussen.

Mooresches Gesetz, Death of Distance und Increasing Economy of Scale – mit diesen drei Schlagwörtern eröffnete TUI-AG-Chef Friedrich Joussen letzte Woche den FVW Kongress in Köln und stellte seine Sicht auf die heutige Onlinewelt dar. Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Leistung der Hardware alle 18 Monate verdoppelt und sich ihr Preis halbiert. «Das macht die Entwicklungszyklen extrem kurz, und das Verhalten der Kunden ändert sich extrem schnell», so Joussen.

Der «Tod der Distanz» oder anders gesagt das globale Dorf, zu dem das Internet die Welt gemacht hat, habe vor allem den Hotelvertrieb revolutioniert. Und die stetig zunehmenden Skaleneffekte würden dazu führen, dass «der erste am Start auch als Erster durch die Kurve geht» und dass sich überall Quasimonopole bilden würden.

Joussens Schlussfolgerung daraus, welche die Konsumenten nicht freuen wird: «Warten Sie mit der Lancierung eines Produkts nicht, bis es ausgereift ist und eine hohe Qualität hat, sondern bringen Sie es enorm schnell – ganz nach dem Prinzip Trial & Error.» 

Erfolgreich seien in der touristischen Onlinewelt momentan vor allem die mit den einfachsten Geschäftsmodellen. «Die grössten Wachstumsraten verzeichnen die Metasearcher, die weder Händler noch Vermittler mit Provision sind, sondern nur noch von den Klicks leben.»

Die Veranstalter totreden will Joussen dabei keinesfalls. «Wir haben gigantisch grosse Chancen. Aber wir müssen einiges dafür tun. Wir müssen uns differenzieren und uns dazu wesentlich stärker um den Content kümmern.» Die vertikale Integration sieht er dabei als «wichtigste Weichenstellung für die Zukunft». Das alles könne aber nur funktionieren, wenn das Gärtchendenken bei den Kundendaten aufhöre und sie offen zwischen Leistungsträger, Veranstalter und Reisebüro geteilt würden. «Ansonsten sind keine personalisierten Angebote möglich», so Joussen. 

Wie man Online-Business bis zur Perfektion betreibt, zeigte anschliessend Peter Verhoeven von Booking.com auf. Beim Hotelvermittler dreht sich alles um die Conversion Rate. «Daran messen wir alles. Wir führen pro Tag bis zu 1000 Tests durch, um zu überprüfen, was die Conversion Rate steigert», sagte Verhoeven. Und mit «alles» meint er wirklich alles – auf der Website wird schon einmal getestet, wie sich eine Linie oder eine Schattierung auf die Verkäufe auswirkt.

Stefan Jäggi, Köln