Herr Leuzinger, wie werten Sie die momentane Situation?
Wir haben einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung
gemacht. Das Thema ist jedoch noch nicht vom Tisch, denn niemand weiss
genau, warum es das Vertragswerk zwischen Swiss/Lufthansa und den
Reisebüros nun überhaupt noch braucht.
Warum haben Sie Probleme mit diesen Verträgen?
Der Vertrag beinhaltet nur, dass man null Gebühren hat. Es steht
aber nicht darin, dass man keine Gebührenerweiterung während der
Laufzeit der Vereinbarung hat. Der Vertrag läuft drei Jahre, die
Gebührenfrage wurde aber nicht thematisiert. Es ist eine Klausel im
Vertrag, dass die Gebühren allenfalls angepasst werden können.
Diese Situation schürt das Misstrauen. Ich sage nicht, dass der Vertrag komplett falsch ist, es braucht ihn einfach nicht.
Swiss argumentiert zudem, dass nur die Reisebüros, welche mit LX einen
Vertrag unterzeichnen, Zugang zu diesen Tarifen haben. Das heisst doch,
dass weltweit alle Tarife angehoben werden. Das wurde allerdings nie so
kommuniziert, denn seit dem 17. Januar wurde immer nur von Deutschland,
Österreich und der Schweiz gesprochen.
Sie raten also von einer Unterzeichnung der Verträge ab?
Die Unterzeichnung des Vertrags ist eine unternehmerische Entscheidung, nicht die des SRV.
Für mich persönlich macht es keinen Sinn, diesen Vertrag zu
unterschreiben, und ich werde den Termin zur Vertragsunterzeichnung am
16. Juni nicht einhalten. Dies ist aber ebenfalls eine unternehmerische
und keine politische Entscheidung.
Welche Themen sind beim SRV derzeit noch pendent?
Das Problem, das vom SRV nun prioritär angegangen wird, ist die
Thematisierung des Vertrages. Zudem ist es uns ein grosses Anliegen,
gute Rahmenbedingungen für die Amadeus-Reisebüros zu schaffen. Wir sind
daran, Lösungen zu finden, damit sie ihre Geschäfte gegebenenfalls über
einen anderen Kanal realisieren können. Wir prüfen Möglichkeiten und
werden diese kommunizieren, sobald wir soweit sind.
Glauben Sie an eine Lösung mit Amadeus in der Schweiz?
Ja, ich glaube an eine Lösung mit Amadeus. Möglicherweise keine
Null-Lösung. Wie auch immer, ich bin sehr gespannt, wie diese aussehen
wird. Je nachdem wird es die Unternehmen dazu bewegen, das GDS zu
wechseln. Das ist aber ein bilateraler Vertrag zwischen den Reisebüros
und den GDS.
Swiss erwartet von uns, Druck auf Amadeus auszuüben. Das ist für mich
an der Realität vorbeigesprochen. Wenn jemand massiv unter Druck ist,
dann Amadeus als Marktleader vor allem in Deutschland.
Welche Rolle spielte Kuoni beim Deal zwischen Travelport und Swiss?
Nicht Kuoni machte den Deal, sondern Harry Hohmeister, und er hat mit den GDS gute Verhandlungen geführt.
Kuoni-CEO Stefan Leser kennt Gordon Wilson, President & CEO von
Travelport GDS, von früher und hat vermittelt. Stefan Lesers
selbstloser Einsatz, den er aus freien Zügen unternommen hat, ist
sicher verdankenswert. Aber es ist schade, dass die Stimme des SRV
nicht zu Wort kam und dass das Vertragswerk völlig ausser Acht gelassen
wurde.
Haben Sie gewusst, dass Stefan Leser diese Vermittlerrolle hat?
Ja, ich habe es kurz vor der Fachmedienkonferenz von letzter
Woche erfahren. Leser sprach dort als Kuoni-Vertreter. Es ist schade,
dass sich der SRV nicht einbringen konnte; ich hätte an dieser
Medientagung gerne meine Fragen gestellt.
Hätte nicht der SRV die Vermittlerrolle von Kuoni einnehmen sollen?
Reisebüros gehören als Drittpartei nicht an den
Verhandlungstisch. Es werden bilaterale Verhandlungen geführt. Diese
Dreierverhandlung wurde auch von Swiss nie gesucht. Wir hätten diese
Vermittlerrolle von Kuoni auch einnehmen können. Aber es kam ja jetzt
nicht schlecht raus. Der SRV hat dennoch einen guten Job gemacht, das
wurde uns auch von aussen attestiert.
Was erwarten Sie von Swiss?
Ich bin zuversichtlich, dass es eine Lösung geben wird. Es wäre
ein Zeichen von Grösse, die Vertragspflicht zwischen den Reisebüros
sowie Sabre, Galileo und Worldspan für die nächsten Jahre aufzuheben.
Die Swiss hat mit ihrer Starrköpfigkeit bis jetzt die Chance vergeben,
eine Annäherung mit dem Trade zu erzielen.
Wie beurteilen Sie Harry Hohmeister?
Er hat Verhandlungsgeschick, ist ein geschickter Rhetoriker und
ein harter Verhandlungspartner. Er hat sehr viele gute Argumente, aber
auch solche, die er vertreten muss, obwohl er nicht in jedem Punkt
dahinter steht. Die Swiss hätte diese Preferred Fares wohl nicht
gewollt. Ich glaube, dass Harry Hohmeister die Fähigkeit hat, seinen
Beitrag zu leisten, dass die Branche sich wieder annähert. Wir wollen
uns alle der Herausforderung, die der Markt verursacht, stellen und
weiterarbeiten.
Würden Sie rückblickend etwas anders machen?
Im Nachhinein ist man immer schlauer. Vielleicht einige Dinge
kosmetischer Natur im Verhalten. Wir sind in guter Absicht vier Mal
nach Deutschland gereist und immer mit dem Hammer auf dem Kopf
zurückgekommen. Für mich eines der zentralen negativen Erlebnisse: Die
Bekanntschaft mit den Herren Bogdanski und Antinori ist für mich die
grosse Enttäuschung. Meiner Meinung sind das keine
Verhandlungspartner, sondern Leute, die alle Anwesenden vor vollendete
Tatsachen gestellt haben.
Wenn man es mit einem 300-Meter-Rennen vergleicht, dann hatte LH stets
einen Vorsprung von 150 Metern, und wir rannten hinterher. Das ist
immer schlecht. Ausserdem werde ich in Zukunft versuchen, mich etwas
weniger aufzuregen.
Angelo Heuberger/Simon Benz/Chris Probst
