Im Pauschal-Badegeschäft herrscht gerade auf der Kurzstrecke ein brutaler Verdrängungskampf mit sinkenden Preisen und Margen. Viele Veranstalter versuchen deshalb, sich von der austauschbaren Massenware abzusetzen so zum Beispiel TUI mit ihren eigenen Hotelmarken. Hotelplan Suisse hingegen ist kein vertikal integrierter Veranstalter mit eigenen Hotels und versucht es nun auf andere Art.
Die individuellen «à la carte»-Produkte sind vorerst nur ein Pilotversuch in drei Destinationen. Trotzdem sind sie ein Zeichen für eine Art Mini-Kehrtwende im Kurzstreckenbereich. Unter der Ägide von Walter Brüllhardt wurde in den letzten Jahren praktisch ausschliesslich auf Masse gesetzt. Individuelle Produkte verschwanden mehr und mehr aus dem Kurzstreckenangebot, unter anderem durch die Einstellung der Spezialistenmarke Sierramar.
Mit den Köpfen ändern sich nun auch die Strategien. Die neuen Produkte und Rollen tragen die Handschrift des neuen Badeferienchefs Tim Bachmann und wohl auch des neuen CEO Kurt Eberhard, der lange Zeit und bis zuletzt im Spezialistenbereich tätig war.
Hotelplan betont aber, damit keine Rückkehr zum Kurzstrecken-Spezialisten zu bezwecken. Vielmehr sollen die Mittelmeer-Destinationen wieder mehr Profil erhalten, mit entsprechenden Ansprechpersonen. Das ist auch für die Agenten interessant; dass es bei den Veranstaltern keine destinationsspezifischen Ansprechpersonen mehr gebe, wurde oft bemängelt.
Die Ironie will es, dass genau die Automatisierung diese Individualität wieder erlaubt. Schliesslich wurde oft befürchtet, dass durch die neuen Systeme nur noch Massenware produziert wird. Nun nutzt Hotelplan seine Technologie aber dafür, um flexible Produkte zu kreieren, ohne mit jedem Hotel einen Vertrag abschliessen zu müssen und um personelle Ressourcen zu schaffen, die sich wieder vermehrt der Produktpflege widmen können.



