«Mein erster Gedanke war bei den Kuoni-Mitarbeitenden» (Ausgabe 2015-04)

Der Präsident des Schweizer Reise-Verbandes (SRV) äussert sich zum Kuoni-Entscheid, das Reisegeschäft zu verkaufen, und zu den Auswirkungen des Euro-Entscheides der SNB.

Herr Katz, wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass Kuoni das traditionelle Reisegeschäft verkaufen will?

Ich war sehr überrascht, insbesondere über den Zeitpunkt dieser Ankündigung. Mein erster Gedanke war bei den 3800 Kuoni-Mitarbeitern, die dem Unternehmen durch zahlreiche Krisen die Treue gehalten haben.  

Sie kennen die Firma und waren während 15 Jahren bis Ende 2010 CFO des Kuoni-Konzerns und Konzernleitungsmitglied. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für diesen Entscheid? 

Über die Gründe für diesen Entscheid will ich nicht spekulieren. Ich bin seit vier Jahren weg von Kuoni und die aktuelle Kuoni-Group-Konzernspitze hat ihre eigenen Ideen und Pläne.

In den Medien ist von Managementfehlern, verpassten Chancen und zu vielen Machtkämpfen die Rede. Teilen Sie diese Meinungen?

Es gibt sicherlich sowohl interne als auch externe Gründe für die Entwicklung bei Kuoni. Welche schliesslich ausschlaggebend waren, kann ich nicht abschlies-send beurteilen.

Was bedeutet dieser Entscheid für die Schweizer Reisebranche?

Die effektiven Auswirkungen hängen zu einem grossen Teil davon ab, wer die Schweizer Aktivitäten von Kuoni übernehmen wird. Ich hoffe sehr, dass es nicht zu einem grossen Arbeitsplatzabbau kommen wird und insbesondere auch die Ausbildungsplätze der Lernenden weiterhin gesichert sind.

Wer käme Ihrer Meinung nach als Käufer in Frage?

Ich gehe davon aus, dass alle grossen Reiseveranstalter im Inland und Ausland sich die Verkaufsunterlagen anschauen werden. Dazu kommen für gewisse Teile möglicherweise wenige Private-Equity-Interessenten.

Nur einen Tag nach dem Kuoni-Entscheid hob die SNB den Euro-Mindestkurs auf. Welche Auswirkungen hat dies auf den Outgoing-Tourismus?

Ferien im Ausland werden tendenziell günstiger werden. Einige Anbieter haben bereits reagiert und Rabatte eingeführt. Es ist aber definitiv zu früh, die genauen Auswirkungen des SNB-Entscheids zu beurteilen, da die Verwerfungen an den Devisenmärkten noch sehr extrem sind und sich die neuen Währungsverhältnisse zuerst in einem stabileren Umfeld konkretisieren müssen.

Inwieweit kann der Verband die Mitglieder in dieser Situation unterstützen?

Für den Verband ist dies schwierig, da jedes Unternehmen eine eigene Politik beziehungsweise Strategie bezüglich Fremdwährungs-Eindeckung hat. Wir werden zum passenden Zeitpunkt mit PR-Massnahmen bei den Konsumenten erneut die Vorteile der Buchungen bei Schweizer Reisebüros hervorheben.

UH