NDC: Langsam kommt Schwung in die Sache (Ausgabe 2015-14)

Erste Resultate der Pilotversuche werden sichtbar – Swiss ist weiterhin an vorderster Front dabei.

Lange Zeit gab es zur Entwicklung des neuen Flugdatenstandards NDC kaum Informationen. Nun haben sich die IATA und die beteiligten Airlines wieder einmal etwas in die Karten blicken lassen – und können teils schon handfeste Resultate vorweisen.

An vorderster Front dabei ist Swiss. Sie gehörte 2013 zu den ersten Fluggesellschaften, die einen NDC-Piloten starteten; inzwischen arbeiten bereits neun Airlines mit, darunter auch Air Canada, British Airways, United oder Qatar Airways. Swiss ist beim Pilotprojekt «Alpine» dabei, an dem auch die Firmen HP Enterprise Services, Pros und Datalex arbeiten. Im Rahmen des Projekts soll untersucht werden, wie sich das NDC-Schema bei einer Airline wirklich anwenden lässt und wie sich das dynamische Pricing der Swiss mit den neuen Shopping- und Merchandising-Möglichkeiten von NDC verträgt – auch unter hoher Last. 

Unter anderem wurde bereits ein Prototyp für eine Benutzeroberfläche gebaut (siehe Bild). Hier sieht man gut, wie einerseits vorgefertigte gebündelte Tarife existieren, hier «Small», «Medium» und «Large» genannt. Sie entsprechen ungefähr den künftigen «Light-», «Classic-» und «Flex»-Tarifen der Swiss. Andererseits können aber zu jedem Tarif noch verschiedene optionale Extras ausgewählt werden, sprich Ancillary Services. Das Ganze macht auf den ersten Blick einen recht übersichtlichen Eindruck, alle Dienstleistungen werden auf einer Page abgebildet – eine gute Grundlage, wenn man bedenkt, welcher Tarifdschungel auf die Passagiere und Wiederverkäufer zukommt.

So langsam erhält man also eine Vorstellung, was NDC in der Praxis bedeuten könnte. Noch für dieses Jahr fordert die IATA insgesamt acht Live-Anwendungen von NDC-Schemas, was das Thema noch besser veranschaulichen wird. Für einzelne Schritte gab es sogar schon Live-Tests: So konnte United Airlines letztes Jahr die kostenpflichtige Option für mehr Beinfreiheit via Amadeus freischalten, und Hainan und Shandong Airlines machten dasselbe via das chinesische GDS Travel-sky. In diesem Jahr soll man nun einen Schritt weiterkommen und nicht nur einzelne Optionen, sondern auch zusammenhängende und komplexere Aufgaben auf NDC-Basis abwickeln können. 

Noch etwas weiter entfernt ist das individualisierte Pricing, sprich dass der Kunde je nach Buchungsvergangenheit und Vielfliegerstatus einen anderen Tarif erhält. Hier steht die Frage im Raum, wie solche Tarife über die GDS vertrieben werden können, damit die Kontrolle über die Angebote trotzdem bei den Airlines bleibt. Ein Lösungsansatz wäre, jedem individuell erstellten Angebot eine «Offer ID» zuzuweisen. Denn genau dies wäre das Ziel von NDC: dass die immer grösser werdende Angebotsvielfalt der Airlines nicht nur auf der eigenen Website, sondern auch in den indirekten Vertriebskanälen übersichtlich dargestellt werden kann.

SJ