Neue Filialen als «Mosaikstein in der digitalen Strategie» (Ausgabe 2015-26)

TUI Suisse baut nicht nur ihre Filialen um, sondern will die On- und Offlinewelt noch stärker miteinander verzahnen

Mit ihrem neuen Filialkonzept des «Concept Store» will TUI Suisse ihre digitale Strategie vorantreiben (TI berichtete). Die Filiale im Glattzentrum in Wallisellen, die letzte Woche eröffnet wurde, macht jedenfalls einen modernen Eindruck. Die Karton-Auslage im Schaufenster wurde durch eine Videowand ersetzt, und im Eingangsbereich sollen Tablets und ein Touchscreen die Kunden bei der Inspiration unterstützen.

Die Beratung findet dann in entsprechenden «Booths» statt, fixe Arbeitsplätze gibt es keine mehr. Der Vergleich zum Apple Store, den die TUI-Verantwortlichen anbringen, ist vielleicht etwas hochgegriffen, doch es geht definitiv in diese Richtung.

Pro Jahr werden nun drei bis fünf TUI-Filialen umgebaut, bis alle 69 dem digitalen Konzept entsprechen. Die nächste eröffnet am 7. Juli in Bremgarten. Laut Regionalverkaufsleiter Kurt Oberortner kommt das Konzept bei Mitarbeitern und Kunden gleichermassen gut an: «Die Kundenzufriedenheit in der Glattzentrum-Filiale ist gemäss unserem Erhebungstool um 30% angestiegen.»

Eine Auswirkung werden die Concept Stores wohl auch auf die Katalogproduktion haben. Die Kataloge liegen nicht mehr offen auf, man sieht nur noch die Cover auf den Schrankwänden. «Wir erwarten, dass wir bis zu 50% weniger Kataloge brauchen werden», sagt Oberortner und bezieht sich damit auf Erfahrungen aus Deutschland, wo solche Stores schon seit einer Weile existieren.

Für TUI-Suisse-CEO Martin Wittwer ist wichtig, dass die Digitalisierung nicht einfach mit ein paar iPads und einem Touchscreen geschieht. «Die Umgestaltung der Filialen ist nur ein Mosaikstein in unserer digitalen Strategie. Diese Tools sehe ich eher als flankierende Massnahme rund um eine neue Form des Buchens.»

Daneben würden zahlreiche weitere Anwendungen laufen – etwa die «Meine TUI»-App als digitaler Reisebegleiter für das ticketlose Reisen, die Entwicklungen im Veranstaltersystem Iris Plus oder die Plattform Destimo, auf der die Hoteliers ihre Zimmerkontingente und Preise direkt einstellen können. 2016 soll es zudem einen neuen Webauftritt geben.

Die Verzahnung zwischen der On- und Offlinewelt soll weiter zunehmen. In der neuen Filiale kann sich ein Kunde auf dem Touchscreen eine Merkliste zusammenstellen, die dank einer Beratungsnummer von der Reiseberaterin danach aufgerufen werden kann. Später soll es möglich sein, dass ganze Dossiers von verschiedenen Orten aus bearbeitet werden können, dass also z.B. ein Kunde eine Beratung im Reisebüro erhält und zuhause weiter an seiner Reise arbeiten kann, oder umgekehrt. Dafür sind aber noch einige systemtechnische Anpassungen nötig.