Deutsche Billiganbieter wie Meinfernbus und Flixbus machen mit ihren Kampfpreisen und immer höheren Frequenzen vor allem der Bahn zu schaffen, auch in der Schweiz. Doch welche Bedeutung haben die Fernbusse für die Reisebürobranche?
«Wir beobachten das Auftreten der Langstrecken-Busanbieter», sagt zum Beispiel Tim Bachmann von Hotelplan Suisse. «Bis jetzt sehen wir aber keinen Bedarf, diese in unser Städtereisen-Angebot aufzunehmen.» Die Nachfrage sei bis anhin nicht gross genug, das Angebot an Flug- und Zugverbindungen ausreichend vielfältig. Den Bus sieht Bachmann nur in einem engen Radius als konkurrenzfähig. Auch Thomas Althaus, Director Modular bei TUI Flex Travel, sieht im Fernbus kein Produkt für den Reiseveranstalter. «Die Busreisen von Stadt zu Stadt werden direkt beim Anbieter gebucht. Sie benötigen keine Beratung wie zum Beispiel Busrundreisen in anderen Ländern», so Althaus.
Das meint auch Liliane Rotzetter, Leiterin Kommunikation und Produktion Städte bei Railtour
Suisse. Ob eine Integration des Fernbusses ins Programm realistisch sei, sei im Moment offen. Allein die Verbindung ZürichMünchen mit dem von DB und SBB betriebenen Intercitybus sei derzeit im Angebot. «Für die Fernbusse sprechen der Preis, entfallendes Umsteigen sowie allfällige Gewinnung neuer Kundensegmente. Dagegen sprechen die in der Regel längere Fahrdauer, welche zudem durch Staus stark beeinträchtigt werden kann; die höhere Bequemlichkeit der Bahn sowie die fehlenden Zustiegsmöglichkeiten innerhalb der Schweiz.»
Zudem seien die Konditionen für den Trade wenig attraktiv. Meinfernbus bietet zum Beispiel 8% Provision. Die Ticketpreise liegen in den meisten Fällen deutlich unter CHF 20. Zudem hätten preis-sensible Kunden schon bisher kaum beim Reisebüro gebucht.
Einen weiteren Aspekt führt Inka Nobel von Travelwindow (travel.ch) ins Feld: «Die durchschnittliche Reisedauer liegt bei Städtereisen unter drei Tagen, umso wichtiger sind Einfachheit, Schnelligkeit und ein geringer Stressfaktor bei der An- und Abreise.» Wirklich interessant für busfahrende Städtereisekunden seien die Express-Strecken ohne Zwischenstopp, wenn sie unter sechs oder besser unter vier Stunden liegen (was zum Beispiel für die Strecken nach Stuttgart, München oder Konstanz zutrifft).
Eine Fahrt ZürichHamburg, die mit Zwischenstopps mehr als 13 Stunden dauere, hält Nobel für nicht attraktiv. Der klassische Busreisekunde bevorzuge zudem die Betreuung auf der Reise und vor Ort. «Da sehe ich die Grenzen von Anbietern wie Meinfernbus.» Um an Relevanz im Schweizer Reisemarkt zu gewinnen, müsste das Produkt in der Schweiz ausserdem massiv ausgebaut werden.
Stephanie Günzler
