Ursprünglich lautete das Ziel der International Air Transport
Association (IATA), dass alle IATA-Airlines bis Ende 2007 nur noch
elektronische Tickets ausstellen würden. Bereits im Juni wurde die
Frist aber um fünf Monate verlängert. Die Deadline lautet also sowohl
für die Airlines als auch für IATA-Reisebüros neu 31. Mai 2008.
Trotzdem versuchen zahlreiche Airlines, vorwiegend aus Kostengründen,
bereits Ende 2007 zu 100% nur noch E-Tickets auszustellen. LAN Chile,
in der Schweiz durch das Airlinecenter vertreten, geht sogar weiter und
verlangt von Reisebüros seit dem 1. Dezember eine Gebühr von 50 Franken
(welche über ein ADM verrechnet wird), wenn ein Papierticket für eine
E-Ticket-fähige Route ausgestellt wird.
Das Vorgehen scheint ziemlich harsch. Marcel Hausheer (City Reisen
Zug), Leiter Kompetenzzentrum Flug des SRV, nimmt es allerdings
gelassen: «Ich unterstütze den Wechsel auf das E-Ticket in der Theorie
und in der alltäglichen Praxis. Auch die Agenten können profitieren.
Insofern ist auch meine Toleranzgrenze recht hoch, wenn es um
Massnahmen geht auch von Airliner-Seite , um diesen Standard im
Markt durchzusetzen. Die Low-Coster haben eine Vorreiter-Rolle
geschrieben, und hier hat nie ein Hahn danach gekräht. Wichtig in
diesem Zusammenhang ist immer, dass die Airline nicht nur die
Reisebüros straft, sondern die gleichen Massstäbe und Massnahmen im
Direktverkauf anwendet.»
Letzteres scheint beispielsweise Swiss im Sinne der Agenten umzusetzen.
Kunden, welche direkt bei Swiss buchen (im Callcenter oder CTO),
bezahlen für ein Papierticket eine Gebühr von CHF 20. «Dieser Betrag
deckt dabei nur einen Teil des Mehraufwandes für Prozesskosten, Ticket,
Abrechnung, etc. ab», bemerkt dazu Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel.
Dem Reisebüro-Agenten belastet Swiss hingegen keine Fee für ein
Papierticket. «Wir wissen aber, dass Agenten die Kunden für
Papiertickets zumindest zum Teil belasten», führt Donzel weiter aus.
Laut Hausheer kommt aber der Fall, wonach ein Kunde unbedingt ein
Papierticket will, quasi nicht mehr vor, und er fügt an: «Die GDS
unterstützen hier hervorragend, indem ein vernünftiger Default gesetzt
ist.»
Es gibt aber auch Beispiele wie British Airways: Für deren Flüge können
laut Schweiz-Chef Sam Heine immer noch Papiertickets ausgestellt
werden. Im Schweizer Markt gebe es dafür gegenüber dem Reisebüro keine
Gebühr oder «penalty fee». Auch American Airlines verlangt keine
Strafgebühr von Reisebüros; allerdings bemerkt Schweiz-Chef Gianni
Tronza, dass es eine solche geben wird, «sobald die Regel (der IATA)
definitiv in Kraft tritt». Für Endkunden seien online ohnehin nur
E-Tickets buchbar, und wer im Reservierungscenter auf ein Papierticket
bestehe, müsse bereits seit März 2004 dafür 50 US-Dollar Gebühr zahlen.
Allgemein wird die Diskussion dadurch nicht angeheizt, dass
Papiertickets «ab Sommer 2008 ohnehin passé sind». Sind sie das
wirklich? Laut IATA ist man mit der Umstellung zwar auf Kurs: Der
globale Anteil elektronisch ausgestellter Flugtickets übersteigt
bereits deutlich die 80%-Marke. Zurzeit sind 218 Airlines (von 243
IATA-Mitgliedern) fähig, E-Tickets auszustellen; sie stellen 96% des
gesamten Flugvolumens dar. Doch sei das 100%-Ziel ohnehin nicht
realistisch, da einige Airlines bereits angekündigt haben, weiterhin
Papiertickets ausstellen zu wollen. «Realistisch» wäre demnach, dass
per Ende Mai 2008 der Anteil E-Ticketing weltweit rund 92% betragen
wird.
Wer macht nicht mit? Hausheer weiss es auch nicht: «Wir haben mit
unserer SRV Fachgruppe versucht, diese Liste gefüllt mit Namen zu
bekommen. Leider ohne Erfolg, da diese vertraulich sei. Hier meine ich,
dass IATA/BSP offensiver informieren sollte. Ansonsten sind wenn es
auch eher weniger Fälle sein werden für unseren Markt Komplikationen
und Prozedere vorprogrammiert, die sicher nicht im Sinne des Kunden
sein können, aber auch nicht im Sinne der Agenten und der Airline. Das
heisst, dass ich leider nicht an die erfolgreiche Umsetzung der
gesetzten Ziele im vorgesehenen Zeitrahmen glauben kann.»
