Nach den Anschlägen von Paris im November 2015 waren die Folgen für den Tourismus schwer abzuschätzen. «Die Situation hat sich etwas weniger rasch erholt, als dies zehn Monate zuvor nach Charlie Hebdo der Fall war», sagt Liliane Rotzetter, Mediensprecherin beim Städtereisen-Spezialisten Railtour/Frantour. Die Gästezahlen aus der Schweiz waren nach den Attentaten für die sonst beliebte Reisezeit im Advent eingebrochen, 19050 Schweizer checkten im Dezember in Pariser Hotels ein ein sattes Minus von 31,4% gegenüber Vorjahr, wie das Office du Tourisme von Paris mitteilt. International wurde bei den Hotelankünften ein Rücklauf von 16,6% im Vergleich zum Dezember 2014 verzeichnet.
Die Entwicklungen aus den verschiedenen Quellmärkten verlaufen jedoch unterschiedlich. Ein Markt ist komplett weggebrochen: «Die Japaner kommen gar nicht mehr», erklärt Elodie Berta, Marketing Director beim Office du Tourisme in Paris. Anders die Amerikaner: Hier konnte im Dezember noch ein Plus von 5,8% bei den Hotel-Ankünften geschrieben werden.
Nun hofft man auf den Frühlingsstart. «Ostern wird der erste Test. Im Normalfall ist das der erste touristische Peak im Jahr», so Berta. Die Zahlen, die man von Hoteliers erhalten habe, sähen gut aus. «Wir sind zuversichtlich», meint sie. Bei Railtour/Frantour liegt man mit den Buchungszahlen bis jetzt noch hinter Vorjahr. «Seit rund zwei Wochen entspannt sich die Situation aber. Die Zahlen für Ostern im Vergleich zu den Abreisen der Vormonate zeigen klar nach oben», sagt Rotzetter.
Das zweite Highlight folgt am 10. Juni mit der Eröffnung der Fussball-EM, welche insgesamt für Frankreich, aber speziell für Paris, das unter den Vorkommnissen von 2015 am meisten gelitten hat, wichtig ist. «Natürlich können wir nicht voraussagen, wie es laufen wird. Aber wir sind froh, dass die EM genau jetzt stattfindet und wir Paris damit wieder als sichere Metropole präsentieren können», so Berta. 2,5 Mio. Besucher werden für die Spiele erwartet, davon 1,5 Mio. aus dem Ausland. «Überraschenderweise kommen auch viele aus Ländern, die gar nicht an der EM teilnehmen etwa Brasilien oder Israel», so Berta.
Die Sicherheitsvorkehrungen wurden seit den Anschlägen verstärkt und werden für die EM intensiviert. «Es ist eine schwierige Gratwanderung, den Menschen Sicherheit zu geben, ohne ihnen Angst einzujagen», so Berta. Vermehrte Polizei-Kontrollen finden an touristischen Stätten und im öffentlichen Verkehr statt, haben aber laut dem Office du Tourisme keine Auswirkungen auf Touristen. Gleiches gelte für den Ausnahmezustand, der bis zum 26. Mai verlängert wurde.
«Eine positive Seite hat die derzeitige Situation: Es gibt keine Menschenmassen, keine lange Schlange vor dem Eiffelturm», sagt Berta. Auch Rotzetter gibt an, dass man attraktive Angebote lancieren wolle, um die Anfrage wieder zu stimulieren.
JW



