Profiteur wird Emirates sein (Ausgabe 2008-31)

Chris Probst über das Ende der Air-Mauritius-Flüge ab Zürich

Mit der Air Mauritius (MK) verschwindet eine Airline mit grosser
Tradition auf dem Flughafen Zürich. Jahrzehntelang flog die
Fluggesellschaft aus Mauritius Passagiere von Zürich auf die Insel und
war ein zuverlässiger Partner für die Schweizer Reiseveranstalter. Die
TOs können wenigstens noch das wichtige Weihnachtsgeschäft mit MK ab
Zürich abwickeln. Immerhin ein Weg ist ab Oktober noch ein
Nonstop-Service. Dass der Hinflug mit einer Zwischenlandung in
Frankfurt operiert wird, dürfte kein allzu grosser Nachteil sein.

Air Mauritius zieht sich zwar nicht aus der Schweiz zurück und behält
den Flug ab Genf, aber für einen grossen Teil der Deutschschweiz wird
eine wichtige Direktverbindung fehlen. Für die Region Bern ist der Flug
ab Genf sicher eine gute Alternative. Schwieriger wird es, den Rest der
Deutschschweiz zu einem Umsteigen in Genf zu bewegen – Paris als
weitere Umsteigemöglichkeit dürfte die grosse Masse erst recht nicht
erfreuen.

Profiteur des Rückzugs von Air Mauritius aus Zürich wird Emirates sein.
Zwar müssen die Mauritius-Kunden auch mit der Variante via Dubai
umsteigen, haben aber einige Vorteile. Der gewichtigste ist wohl die
Flexibilität. Statt einmal pro Woche fliegt Emirates täglich
nach Mauritius. Zudem ist es für viele Kunden attraktiv, einen Stopp in Dubai einzulegen.

Das angekündigte Ende der Zürich-Rotation ist gewiss nicht der
Niederlassung von Air Mauritius in Zürich anzukreiden. Das Team um
Christine Oberli hat zweifelsohne sein Bestes gegeben und lange
gekämpft. Das Schicksal dieses Teams ist noch nicht klar, aber ohne
Flug nach Zürich wird es wohl mindestens schrumpfen. Schade, denn die
Beziehungen von Air Mauritius Zürich zu den Spezialisten für den
Indischen Ozean waren seit vielen Jahren ausgezeichnet, ja zuweilen
tief freundschaftlich.

Interessant ist der Ansatz von Kurt Zürcher (Let’s go Travel). Er geht davon aus, dass die
Situation der Air Mauritius nicht losgelöst vom gesamten
Mauritius-Tourismus angeschaut werden dürfe. Im Einzelnen gewinne Air
Mauritius zwar mit der Einstellung des Zürich-Fluges, aber im Gesamten
verliere der Tourismus auf Mauritius. Deshalb dürfe das oberste
Kriterium für die Airline nicht der Profit sein, sondern schlicht und
einfach die Beförderung von Touristen auf die Insel. Interessant, aber
für die Verantwortlichen von Air Mauritius wohl zu wenig
überzeugend.    B