R3Jvc3NlcyBJbnRlcmVzc2UgYW0gQnVjaGVuIHZvbiBLcmV1emZhaHJ0ZW4gbWl0IE1pbGVzJk1vcmUtUHVua3RlbiA= (Ausgabe 2014-30)

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Seit einem Monat können Teilnehmer im Miles&More-Vielfliegerprogramm ihre Meilen für Kreuzfahrten eintauschen. Miles&More-Partner ist dabei für die nächsten fünf Jahre exklusiv der Kreuzfahrt-Spezialist Reisebüro Nees aus Krombach (D), welcher auch die Portale kreuzfahrten.de und kreuzfahrten.ch betreibt.

Wie im TI berichtet, ist der «Marketing-Coup» von Nees bei den 6,5 Mio. deutschsprachigen Teilnehmern von Miles&More (davon 1,1 Mio. in der Schweiz) den Schweizer Konkurrenten zwar ein Dorn im Auge, aber angesichts der sehr hohen Meilenkosten für eine Kreuzfahrt dürfte sich der direkte finanzielle «Schaden» in Grenzen halten. Bei einem Gegenwert von EUR 25 für 8250 Prämienmeilen müsste man für eine EUR 1000 teure Kreuzfahrt gut 330000 Meilen hinlegen. So etwas leisten sich wohl nur vielfliegende Statusmitglieder.

Genau um diese geht es für Wolfgang Fäth, Inhaber der Reisebüro Nees AG. Diese wichtigen Kontakte lässt er sich einen sechsstelligen Lizenzbetrag pro Jahr bei Miles&More kosten. Dazukommen noch die Kosten, welche die Schaffung einer Software für das Sammeln und Lösen von Meilen bei den 20 angeschlossenen Reedereien bedingte. Einen direkten Zugang zur Miles&More-Adressdatenbank hat Fäth indes nicht.

Für die Verkündung erster Resultate, etwa Einlösungen durch Schweizer Kunden, sei es noch zu früh, sagt Fäth: «Es kommen aber jeden Tag Meileneinlösungsanträge bei uns herein.» Auch im Schweizer Markt gehe es primär darum, an solvente potenzielle Kunden zu kommen. Dazu Fäth: «Der Schweizer Markt ist sehr interessant, für uns aber nicht lebensnotwendig.» Er habe auch weiterhin nicht vor, auch nur einen Euro oder Franken für Anzeigen oder sonstige Marketingaktionen im Schweizer Markt zu investieren.

Gerade dies stösst der Schweizer Konkurrenz auf. Denn Nees ist im Schweizer Markt nicht nur mit Miles&More aktiv, sondern auch mit einer Kreuzfahrten-Datenbank, welche laut Fäth bei 15 Schweizer Anbietern im Einsatz ist (in Deutschland sogar bei 3950 Reisebüros). Diese in die eigene Homepage integrierbare Datenbank zeigt den deutschen Inhalt in Europreisen an; per Währungsrechner können die Preise in Schweizer Franken ermittelt werden. Von den Schweizer Behörden habe es deswegen bislang keine Beanstandung gegeben, sagt Fäth. Vertrieben wird die Datenbank von der Nees-Tochtergesellschaft Holiday Promotion GmbH.

Einer der Nutzer der «deutschen Datenbank» ist MCCM Master Cruises in Zürich. Deren Geschäftsführer Christian Schneider erklärt: «Es ist korrekt, dass wir über eine Partnerschaft mit Holiday Promotion verfügen. In der Schweiz gibt es meines Wissens kein vergleichbares Tool. Es ist wohl primär eine Investitionsfrage, was den Aufbau und die Bewirtschaftung einer solchen Datenbank anbelangt.» Weitere Auskünfte zum Nutzen der Datenbank bzw. zur damit generierten Umsatzentwicklung dürfe er aufgrund einer Stillschweigeklausel mit Holiday Promotion nicht geben.

Kritik diverser Schweizer Anbieter wegen der Datenbank mit «deutschen Produkten» und Europreisen schlägt Fäth in den Wind. Alles sei rechtlich völlig einwandfrei.

Jean-Claude Raemy